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Internationales Symposium 2016

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Internationales Symposium zur wirtschaftlichen Stärkung von Frauen: „Eigenständig. Stark. Wirtschaftlich unabhängig.“

Im September 2015 wurde die Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung verabschiedet, in der sich die Staaten der Weltgemeinschaft auf 17 gemeinsame Ziele verständigten, um sich zentralen Herausforderungen wie u.a. Armut, Ungleichheit und Gewalt gegen Frauen zu stellen. Die wirtschaftliche Stärkung von Frauen und Mädchen ist eine wichtige Voraussetzung für die Erreichung der Agenda 2030. Mit diesem Thema beschäftigte sich unser diesjähriges Internationales Symposium. 

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Eröffnet wurde das Internationale Symposium durch Karin Nordmeyer, Vorsitzende von UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V. Sie machte deutlich, dass Frauen eine Schlüsselrolle bei der Erreichung der Agenda 2030 zukommt. Sie stellte die sieben wichtigen Faktoren vor, die laut dem ersten Bericht des High-Level Panel on Women’s Economic Empowerment (HLP) wichtig sind, damit Frauen ihr wirtschaftliches Potential entfalten können. Das HLP wurde im Januar dieses Jahres vom Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, eingerichtet mit dem Ziel neben dem bisher Erreichten auch die strukturell bestehenden Hindernisse für die wirtschaftliche Stärkung von Frauen und ihre umfassende Beteiligung an Wirtschaftsaktivitäten zu beleuchten. Diese und andere Herausforderungen und Lösungsvorschläge wurden im Rahmen des Internationalen Symposiums auf nationaler und internationaler Ebene diskutiert.

Nationale Perspektive

Die Keynote zu der nationalen Perspektive wurde von der Parlamentarischen Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Elke Ferner gehalten. Sie betonte in ihrer Rede: „In keinem anderen europäischen Land arbeiten so viele Frauen dauerhaft in niedriger Teilzeit wie in Deutschland. Das bedeutet oftmals ein niedriges Einkommen und damit geringere Altersvorsorgeansprüche. Wir wollen Frauen im Erwerbsleben stärken und setzen dabei auf ein Bündel an Maßnahmen wie beispielsweise den weiteren Ausbau der Betreuungsinfrastruktur, die partnerschaftliche Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch Elterngeld Plus als ersten Schritt auf dem Weg zur Familienarbeitszeit, ein Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit oder das geplante Rückkehrrecht von Teilzeit auf die alte Arbeitszeit.“

Die Podiumsdiskussion zur nationalen Perspektive wurde bestritten von (v.l.n.r.) Christoph Mönnikes, „Spitzenvater des Jahres 2013“, Daniela Jaspers, Vorstandsfrau des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV), Ellen Petersson, Leiterin Strategie, Ziele und Programme Sicherheit & Qualität, Deutsche Bahn AG und Christine Morgenstern, Leiterin der Abteilung Gleichstellung im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Moderiert wurde das Panel von Astrid Hollmann, dbb beamtenbund und tarifunion.

Christine Morgenstern machte deutlich, dass es Aufgabe von Gleichstellungspolitik sei, Gleichberechtigung von Frauen und Männern in allen Bereichen durchzusetzen. Dazu gehörten sowohl gesetzliche Maßnahmen als auch flankierende unterstützende Maßnahmen, um diese Gesetze mit Leben zu füllen. Das zeige sich am Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst ebenso sowie am geplanten Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit. Und: Je stärker die öffentliche Unterstützung sei, desto besser gelinge eine gute Umsetzung und Verankerung.  Das traditionelle Rollenbild habe sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt: Die Mehrheit der jungen Paare wünschte sich heute eine partnerschaftliche Verteilung von Erwerbs-, Haus- und Sorgearbeit. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei eine zentrale Frage für Eltern. Ein wichtiger Aspekt sei dabei die wirtschaftliche Absicherung beider Elternteile. Dazu bräuchten sie die entsprechenden Rahmenbedingungen. Das Elterngeld und das ElterngeldPlus seien wichtige Schritte gewesen, denn je stärker Väter in die Elternzeit eingebunden seien, desto gleichmäßiger würde die Familienarbeit auch danach aufgeteilt, wie Studien zeigen.

Daniela Jaspers betonte, wie schwierig die Situation der meisten der 1,6 Millionen alleinerziehenden Eltern in Deutschland sei. Sie müssten sehr viel improvisieren und sich nicht selten auch von ihren Plänen verabschieden. Je höher die Qualifikation, desto besser seien die Chancen auf zeitlich flexible Tätigkeiten und gut bezahlte Jobs. Als großes Problem identifiziert sie jedoch die Besteuerung, denn Alleinerziehende würden steuerlich schlechter gestellt als Verheiratete. Der VAMV setze sich daher auch für die Individualbesteuerung und gegen das Ehegattensplitting ein. Ihr Appel zudem: Sorgearbeit müsse stärker gewertschätzt werden.  

Ellen Petersson erklärte, dass die Deutsche Bahn AG, die die Women’s Empowerment Principles unterzeichnet hat, sich nicht nur aus reiner Nächstenliebe um Gleichstellung und Diversität bemühe, sondern auch wirtschaftliche Interessen dahintersteckten - die Vielfalt gemischter Teams bringe voran. Unternehmen und die Gesellschaft seien jedoch noch sehr in Stereotypen verhaftet, die aufgebrochen werden müssten – auch dadurch, dass Frauen ihre Rechte stärker einfordern sollten. Es ginge vor allem um gleiche Bezahlung, individuelle Arbeitsgestaltung und Work-Life-Balance. Hierbei müssten Politik, Gesellschaft und Unternehmen zusammenarbeiten.

Christoph Mönnikes, der gegenwärtig in Elternzeit ist, um sich um seine fünf Kinder zu kümmern, findet das Modell seiner Familie normal, wenn auch nicht alltäglich. Seine Frau und er hätten sich aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus entschieden, dass er als derjenige der weniger verdient habe als seine Frau, für die Kindererziehung zeitweise aus dem Job ausscheiden würde. Um einen möglichen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, sei es ihm jedoch wichtig, auf dem Markt präsent zu bleiben. Er plädierte dafür, dass Familienarbeit (von Männern wie von Frauen) nicht mehr länger als Frauensache gesehen werde.  

Dem Panel folgte eine lebhafte Diskussion, etwa über die Themen Ganztagsschulen wie es sie in Belgien gibt, die Chance auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch Freiberuflichkeit jedoch auch dem Risiko von Altersarmut auf Grund mangelnder Sicherungssysteme, das Earner-Carer Modell, die Wichtigkeit, über Geld zu reden, um gleiche Bezahlung zu erreichen oder auch die Möglichkeiten, die Frauen-organisationen und jede*r Einzelne hat, um die negativen Folgen des Ehegattensplittings anzugehen. 

Internationale Perspektive

Ministerialrat Hans-Peter Baur aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ver-deutlichte in seiner Auftaktrede, dass sich die 17 Ziele der Agenda nicht erreichen ließen, ohne die Einbeziehung und Beteiligung von Frauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Eine wichtige internationale Chance für die Gleichstellung und wirtschaftliche Stärkung von Frauen wird die G20 Präsidentschaft Deutschlands im Jahre 2017 sein, bei der Bundeskanzlerin Merkel das Thema „Women’s Empowerment“ auf die Agenda gesetzt hat.

Das Nachmittagspodium bestritten (v.l.n.r.) Ellen Kallinowsky, Principal Technical Advisor, Program Promotion of Economy and Employment (EcoEmploy), Rwanda, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH; Felizitas Lichtenberg, Diversity & Inclusion Manager, Vodafone Germany; Joelle Tanguy, Director of the Strategic Partnerships Division, UN Women und Beatrace Angut Oola, Founder Fashion Africa Now. Moderiert wurde das Panel von Vincent-Immanuel Herr, Journalist, HERR & SPEER.

Joelle Tanguy betonte, dass sich durch die Verabschiedung der SDGs die politische Diskussion verändert habe, Geschlechtergleichstellung sei zur Erreichung der Ziele elementar. Die Agenda 2030 sei zudem ein Auftrag an alle gemeinsam – von den Staaten und zwischenstaatlichen Organisationen über die Zivilgesellschaft bis zu jeder Einzelperson. Gute Beispiele müssten bekannt gemacht, der Austausch gestärkt werden. Sie bekräftigte, dass die politische und ökonomische Stärkung eins der wichtigsten Ziele von UN Women sei. Ein wichtiger Punkt dabei sei die unbezahlte Arbeit, die Frauen, die so oft im informellen Sektor arbeiten, weltweit leisten.

Ellen Kallinowski berichtete, dass Ruanda politisch sehr progressiv sei und viele Frauen erwerbstätig seien. 95% dieser erwerbstätigen Frauen arbeiteten jedoch entweder im informellen Sektor oder bewirtschaften ihr eigenes Land, womit sie zumeist ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten könnten. Die Politik habe das erkannt und versuche die Gegebenheiten für die nächste Generation zu verändern. Sie plädierte für einen offenen Dialog, der die ärmsten Frauen einbeziehe – auch in Deutschland. 

Felizitas Lichtenberg erwähnte den wirtschaftlichen Nutzen einer vielfältigen Belegschaft – sie helfe einem Unternehmen dabei, die Wünsche der Kundschaft zu erfassen. Unbewusste Vorurteile etwa beim Einstellungs- und Beförderungsverhalten führten jedoch dazu, dass es weniger Frauen im Top-Management gebe. Dies versuche Vodafone im Rahmen seines #HeForShe Engagements durch Trainings für Manager*innen und Belegschaft bewusst zu machen und anzugehen. Ein weiteres Element sei, Frauen zu ermutigen, ihre Karrieren aktiv voranzutreiben. 

Beatrace Angut Oola sprach über das Familiensystem Ugandas, wo weibliche Familienangehörige auf die Kinder aufpassen würden, es für Mütter daher leichter wäre als in Deutschland, eine Karriere anzustreben. Auf Frauen laste aber ein großer Druck, sich beweisen zu müssen. Sie selber habe viel von den starken, selbstbewussten Designerinnen des afrikanischen Kontinents gelernt, mit denen sie zusammenarbeite. Sie möchte ihnen durch ihre Arbeit eine Plattform bieten und ein Auskommen ermöglichen. 

Auch auf dieses Panel folgte eine lebhafte Diskussion, etwa über Privilegien (die der Männer, die sich für Frauen einsetzen müssten, aber auch die der Frauen, die durch Bildung und Besitz privilegiert seien), die Rolle der Jugend und die Verantwortung von uns allen, die Gleichberechtigungsagenda im beruflichen wie im privaten Kontext voranzutreiben.

Dr. Ursula Schäfer-Preuss, Stellvertretende Vorsitzende UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V. ging in ihren Schlussbemerkungen darauf ein, dass für eine erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit die Perspektiven von Frauen aus den Partnerländern zu berücksichtigen seien, um erfolgreich zu sein.

Es war ein sehr interessantes Internationales Symposium voller neuer Impulse – wir bedanken uns bei allen Redner*innen und Teilnehmenden für einen interessanten und inspirierenden Tag! Herzlichen Dank zudem den Simultanübersetzerinnen sowie den ehrenamtlichen Unterstützerinnen!