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Aktiv werden: Für ein Ende der Gewalt gegen Frauen

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Zehn Möglichkeiten, wie du dich gegen Gewalt an Frauen und Mädchen einsetzen kannst – auch während einer Pandemie

2020 war von der Corona-Pandemie geprägt. Durch Lockdowns, Quarantänemaßnahmen und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit nahmen die Berichte über alle Formen der Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu, insbesondere über häusliche Gewalt.

Die Pandemie der Gewalt gegen Frauen ist nicht neu. Schon vor der COVID-19-Pandemie litten im vergangenen Jahr weltweit 243 Millionen Frauen und Mädchen unter Partnerschaftsgewalt. Die Corona-Pandemie verschärfte die Gewalt, auch weil der Zugang zu Hilfe schwieriger wurde.

Wir sagen: es reicht.

Hier sind zehn Möglichkeiten, wie du dich sicher und wirkungsvoll für die Beendigung dieser Gewalt einsetzen kannst.

1. Höre zu und glaube den Überlebenden

Wenn eine Frau von Gewalterfahrungen erzählt, macht sie den ersten Schritt, um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Wir müssen ihr die Sicherheit geben, die sie braucht, um ihre Stimme zu erheben und gehört zu werden.

Kampagnen wie #MeToo, #TimesUp, #NiUnaMenos, #BalanceTonPorc und andere Bewegungen haben vielen Überlebenden eine Stimme gegeben. Wir alle müssen Betroffenen und Aktivist*innen zuhören und deren Erfahrungen weitergeben.

Wenn sexualisierte Gewalt thematisiert wird, spielt der Alkohol- und Drogenkonsum, die Kleidung oder die Sexualität der betroffenen Person keine Rolle. Der Täter ist der einzige Grund für einen Übergriff und muss die Verantwortung allein tragen. Den Betroffenen (sexualisierter) Gewalt darf kein Selbstverschulden vorgeworfen werden. Prangere dieses „victim blaming“ an und widerspreche der Auffassung, dass es an den Frauen sei, vermeintlich gefährliche Situationen zu meiden.

Frage nicht: "Warum verlässt sie ihren gewalttätigen Partner nicht?"
Sondern sag: "Wir hören dich. Wir glauben dir. Wir stehen an deiner Seite."

2. Sensibilisiere die nächste Generation

Von unserem Verhalten hängt ab, wie die nächste Generation über Geschlechter, Respekt und Menschenrechte denkt. Und wie sie handelt. Sprich frühzeitig über Geschlechterrollen und hinterfrage die traditionellen Eigenschaften, die Männern und Frauen zugeschrieben werden. Weise auf die Stereotype hin, denen Kinder ständig begegnen, sei es in den Medien, auf der Straße oder in der Schule. Mach Kindern und Jugendlichen klar, dass es in Ordnung ist, anders zu sein. Und dass alle so in Ordnung sind, wie sie sind.

Sprich über Einvernehmlichkeit, körperliche Selbstbestimmung und Verantwortung. Indem wir junge Aktivist*innen über Gleichstellung und Menschenrechte informieren, tragen wir zu einer besseren Zukunft bei.

3. Übe politischen Druck aus

Auch und vor allem während der Corona-Pandemie müssen ausreichend Unterkünfte, telefonische und persönliche Beratung und jegliche Unterstützung für Betroffene geschlechtsspezifischer Gewalt verfügbar sein.

Im Jahr 2020 steht die vom UN-Generalsekretär António Guterres geführte UNiTE-Kampagne vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie unter dem Motto “Orange the World: Fund, Respond, Prevent, Collect!" (Finanzieren, Reagieren, Vorbeugen, Erfassen).

Regierungen müssen Finanzierungslücken schließen, um gegen Gewalt an Frauen und Mädchen vorzugehen. Sie müssen sicherstellen, dass wesentliche Schutz- und Hilfsangebote während der Krise aufrechterhalten, Präventionsmaßnahmen durchgeführt und Daten gesammelt werden, die notwendig sind, um lebensrettende Angebote für Frauen und Mädchen anzupassen und zu verbessern.

Die Istanbul-Konvention zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt von 2011 setzt sich umfassend für Opferschutz, Prävention und Strafverfolgung ein sowie für die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter in den Verfassungen und Rechtssystemen der Unterzeichnerstaaten. Die deutsche Bundesregierung hat die Istanbul-Konvention 2017 ratifiziert. Laut dem zivilgesellschaftlichen Bündnis Istanbul-Konvention fehlen Deutschland weiterhin ein politisches Konzept, handlungsfähige Institutionen und die notwendigen Ressourcen, um alle Frauen und Mädchen vor Gewalt zu schützen.

4. Verstehe die Bedeutung von Einvernehmlichkeit

Eine freiwillige, enthusiastische Zustimmung zu sexuellen Handlungen ist zwingend notwendig und zwar jedes Mal. Anstatt auf ein "Nein" zu warten, vergewissere dich, dass alle Beteiligten aktiv und deutlich "Ja" sagen.

Phrasen wie "Sie hat das provoziert" oder "Jungs sind eben so" verwischen die Grenzen sexueller Einwilligung, schieben den Opfern die Schuld zu und entlasten die Täter. 

5. Erkenne Gewalt und Hilfsmöglichkeiten

Es gibt viele Formen der Gewalt und alle können schwerwiegende körperliche und emotionale Folgen haben. Wenn du dir um eine*n Freund*in Sorgen machst, der*die möglicherweise Gewalt erlebt oder sich in der Nähe von jemandem unsicher fühlt, solltest du dem nachgehen und in Erfahrung bringen, wir du ihm*ihr helfen kannst.

Wenn du Gewalt erlebst, steht dir Hilfe zur Verfügung. Du bist nicht allein. Beispielsweise bietet das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen rund um die Uhr kostenlose Beratung, für Betroffene und Angehörige. Telefonisch und per Chat, in 17 Sprachen.

6. Mache auf Gewalt aufmerksam und sprich darüber

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist eine Menschenrechtsverletzung, die seit Jahrhunderten andauert. Sie ist allgegenwärtig, aber sie ist nicht unvermeidlich.

Sprich und diskutiere mit Familienmitgliedern, Freund*innen und Kolleg*innen, um auf die Problematik aufmerksam zu machen, patriarchale Strukturen aufzudecken und Möglichkeiten der Gewaltprävention zu entwickeln. 

Zeige deine Solidarität mit Überlebenden und mach deutlich, wo du im Kampf für Frauenrechte stehst. Wenn du das auch über Social Media tun möchtest, haben wir hier  eine Reihe von Postings und Ideen zusammengestellt, wie du auf die nicht endende Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam machen kannst. Nutze die Hashtags #OrangeTheWorld, #16Days und #GenerationEquality, um mit anderen ins Gespräch zu kommen und deine Stimme gegen geschlechterspezifische Gewalt zu erheben.

7. Setze dich gegen „Rape Culture“ ein

Die sog. „Rape Culture“ ist das soziale Umfeld, das es ermöglicht, sexualisierte Gewalt zu normalisieren und zu rechtfertigen, verstärkt durch die anhaltenden geschlechtsspezifischen Ungleichheiten und traditionellen Rollenmuster.

Jeden Tag haben wir die Möglichkeit, unsere Verhaltens- und Denkweisen auf Vorurteile zu überprüfen, die zur „Rape Culture“ beitragen. Denk darüber nach, wie du Männlichkeit und Weiblichkeit definierst und wie deine eigenen Vorurteile und Stereotype dich beeinflussen.

Unsere Alltagssprache hat großen Einfluss auf unser Verhalten und auf unsere Einstellungen. Benutze keine Phrasen, die ein Selbstverschulden von Frauen implizieren oder Gewalt verharmlosen. 

Von unserer persönlichen Einstellung zu Geschlechteridentitäten bis hin zu politischem Druck – wir alle können zu einem Ende der „Rape Culture“ beitragen.

Null Toleranz gegenüber sexualisierter Gewalt an Frauen muss Einzug in Politik und Gesellschaft finden. Wir alle müssen sensibler auf das Thema reagieren und auch in unserem eigenen Umfeld (bei Freund*innen und der Familie, auf der Arbeit und in der Freizeit) besser darauf achten.

8. Unterstütze Frauenrechtsorganisationen finanziell

Spende für lokale Organisationen, die von Gewalt betroffene Frauen unterstützen und die Akzeptanz aller Geschlechtsidentitäten und Sexualitäten fördern.

UN Women arbeitet auf der ganzen Welt mit Frauenorganisationen zusammen, um Gewalt gegen Frauen zu beenden, Überlebende zu unterstützen und die Gleichstellung der Geschlechter überall zu sichern. Hier kannst du unsere Arbeit gegen Gewalt und Diskriminierung unterstützen.

9. Ziehe andere zur Rechenschaft

Gewalt kann viele Formen annehmen, dazu gehört sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum. Zeige Haltung und prangere „Cat Calling“, unangebrachte Kommentare und sexistische Witze an.

Schaffe eine sicherere Umgebung für alle, indem du es laut ansprichst, wenn jemand eine Grenze überschreitet, oder indem du die Hilfe anderer in Anspruch nimmst, wenn du dich nicht sicher fühlst.

Hör Überlebenden zu und sorge dafür, dass sie die Unterstützung bekommen, die sie brauchen.

10. Kenne Statistiken und fordere sie ein

Um geschlechtsspezifische Gewalt wirksam zu bekämpfen, müssen wir das Thema verstehen. Die Erhebung relevanter und geschlechtssensibler Daten ist der Schlüssel zur Umsetzung erfolgreicher Präventionsmaßnahmen und zur richtigen Unterstützung der Betroffenen.

Da die geschlechtsspezifische Gewalt während COVID-19 stark zugenommen hat, ist die Datenlage schlechter denn je. Fordere deine Regierung auf, in die Erhebung dieser Daten investieren.

Weitere Informationen zu den 16 Aktionstagen 2020 und zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen

 

 

 

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