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Solidarität zeigen mit den mutigen VerteidigerInnen der Rechte von Frauen

Solidarität zeigen mit den mutigen VerteidigerInnen der Rechte von Frauen

Zeid Ra´as Hussein, Hohe Kommissar für Menschenrechte der Vereinten Nationen (VN)

Geschrieben vom Hohen Kommissar für Menschenrechte der Vereinten Nationen, Zeid Ra´as Al Hussein.

Zeid Ra´as Hussein ist der Hohe Kommissar für Menschenrechte der Vereinten Nationen (VN) und hat umfassende Erfahrungen in internationaler Diplomatie und im Schutz der Menschenrechte. Er war der erste Präsident des‘ Assembly of States Parties to the Rome Statute of the International Criminal Court‘ und der ehemalige Präsident des VN-Sicherheitsrates. In diesem Beitrag diskutiert er die Errungenschaften und Diskrepanzen in der Garantie gleicher Rechte für alle und stellt die Wichtigkeit und den Mut der VerteidigerInnen der Rechte der Frau und die Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen, heraus. Eine neue Kampagne des Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte startet am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, um auf die dringende Anerkennung für die VertreterInnen der Menschenrechte aufmerksam zu machen.

Vor fast 20 Jahren verpflichteten sich 189 Länder in Peking zur Erreichung der Gleichstellung für Frauen, de facto und de jure, sodass alle Frauen in den vollen Genuss ihrer Rechte und Freiheiten als gleichwertige Menschen kommen können.

Sie adoptierten einen umfassenden und ambitionierten Plan, um Frauen dieselben Rechte auf Bildung und Entwicklung ihres Potentials zu garantieren wie Männern. Dieselben Rechte der Wahl ihres Berufes wie Männer. Dieselben Rechte auf die Führung von Gemeinden und Nationen und auf die Fällung von Entscheidungen für ihr eigenes Leben ohne Angst vor Gewalt oder Repression. Hunderttausende Frauen müssten nicht länger bei der Geburt aufgrund der bestehenden Gesundheitspolitik und -systeme sterben, die ihre Fürsorge vernachlässigen. Frauen würden nicht länger weitaus weniger verdienen als Männer. Diskriminierende Gesetze würden nicht länger über Heirat, Land, Besitz und Erbe entscheiden.

In den darauffolgenden Jahren wurde die Welt Zeuge von enormen Fortschritten: die Anzahl von Frauen in den Belegschaften stieg an; die Gleichstellung der Geschlechter in der Bildung auf dem Grundschulniveau wurde beinahe erreicht; die Müttersterblichkeitsrate ging um fast 50% zurück und mehr Frauen bekleiden Führungspositionen. Regierungen sprechen über die Rechte der Frau als Menschenrechte und die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter werden als legitime und unabdingbare Ziele anerkannt.

Dennoch ist die Welt immer noch weit entfernt von der in Peking artikulierten Vision. Ungefähr eine von drei Frauen weltweit wird in ihrem Leben physische und/oder sexuelle Gewalt erfahren. Weniger als ein Viertel der Parlamentarier in der Welt sind Frauen. In mehr als 50 Ländern gibt es keinen rechtlichen Schutz für Frauen gegen häusliche Gewalt. Fast 300.000 Frauen und Mädchen starben 2013 an Folgen, die mit Schwangerschaft und Geburt in Verbindung gebracht werden können. Näherungsweise eine von drei verheirateten Frauen zwischen 20 und 24 war eine Kinderbraut. In vielen Teilen der Welt können Frauen und Mädchen keine Entscheidungen über ihre privatesten Belange – Sexualität, Heirat, Kinder- treffen. Mädchen und Frauen, die ihre eigenen Lebensentscheidungen verfolgen, werden durch die verwerfliche Praktik der sogenannten Ehrenmorde in Teilen der Welt von ihren eigenen Familien ermordet. Alle unsere Gesellschaften bleiben betroffen von Stereotypen, welche auf der Unterlegenheit von Frauen basieren, die sie oft verleumden, demütigen und sexualisieren.

Heute tragen wir die Verantwortung dafür, den in den letzten 20 Jahren gemachten Fortschritt zu schützen und die verbleibenden Herausforderungen anzugehen. Hierbei müssen wir die essentielle Rolle von Frauen anerkennen, die die Menschenrechte verteidigen, und so oft großen Gefahren für sich selbst und ihre Familien ausgesetzt werden, weil sie die so genannten sozial vorgeschriebenen geschlechtsspezifischen Stereotypen angehen. Wir müssen uns der  Rolle aller Menschen bewusst werden, Männer und Frauen, die öffentlich für die Gleichstellung der Geschlechter eintreten und oft, als eine Folge dessen, Opfer archaischer und patriarchischer Bedrohungen ihres Rufes, ihrer Arbeit und sogar ihres Lebens werden. Diese außerordentlichen Individuen - VerteidigerInnen der Rechte von Frauen - handeln in feindlichen Umfeldern, wo Auseinandersetzungen des kulturellen Relativismus gängig sind und oftmals vor dem Hintergrund des Aufstieges von Extremisten und frauenfeindlichen Gruppen, eine Bedrohung für die Erfolge der Vergangenheit darstellen.

Übergriffe auf Frauen, die sich für die Wahrung ihrer Menschenrechte einsetzen, und Individuen, die die Gleichstellung der Geschlechter vertreten, dienen oft dazu Frauen auf ihrem „Platz“ zu halten. In einigen Teilen der Welt wird Frauen, die in öffentlichen Demonstrationen partizipieren gesagt, sie sollten nach Hause gehen und sich um ihre Kinder kümmern. Denken sie an das aktuelle Beispiel einer Zeitung, die Bilder einer nackten Frau veröffentlichte, die behauptete eine bekannte Aktivistin zu sein- ein Angriff um diese Verteidigerin zum Schweigen zu bringen. An anderen Orten, wenn Frauen ihr Recht auf erschwingliche moderne Verhütungsmittel einfordern, werden sie in zwielichtigen Kampagnen, die ihre Glaubwürdigkeit untergraben sollen, als Prostituierte bezeichnet. Online- Übergriffe gegen jene, die für die Menschenrechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter sprechen, durch sogenannte „Trolle“- die ruchlose Verbrechen androhen- werden zunehmend gemeldet.

Diese Angriffe beinhalten eine gemeinsame Bedrohung – sie greifen zurück auf geschlechterspezifische Stereotypen und tief verwurzelte diskriminierende soziale Normen, um jene zum Schweigen zu bringen, die das uralte System der Geschlechterungleichheit anfechten. Dennoch werden diese VerteidigerInnen nicht verstummen und wir müssen in Solidarität mit ihnen gegen diese feigen Angriffe stehen.

Darum hat mein Büro sich dazu entschieden eine Kampagne zu starten, um Frauen und Männern Anerkennung zu zollen,  die sich Stereotypen widersetzen und für die Menschenrechte der Frauen kämpfen. Die Kampagne geht vom 10. Dezember diesen Jahres, dem Tag der Menschenrechte, bis zum Internationalen Frauentag am 8. März 2015. Wir ermutigen jeden dazu, den Rängen dieser starken und inspirierenden VertreterInnen durch die Sozialen Medien (#reflect2protect) und vor Ort beizutreten.

Da wir uns dem 20-jährigen Jubiläum von Peking nähern, müssen Diskriminierung von und Gewalt gegen Frauen sowie die Stereotypen, die sie in begrenzte festgesetzte Rollen drängen, enden. Frauen haben ein Recht darauf ihre eigenen Entscheidungen über ihr Leben und ihren Körper zu treffen. Die Garantie und Implementierung dieser Rechte sind nicht-verhandelbare Verpflichtungen aller Staaten. Die VerteidigerInnen der Rechte der Frau waren maßgeblich an der Sicherung der ambitionierten, in  Peking ausgelegten Programme beteiligt. Ihre Arbeit, ihr Aktivismus und ihr Mut verdienen unsere Anerkennung, unsere Unterstützung und unseren Respekt.