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Professor Muhammad Yunus – Frauen im Zentrum unserer wirtschaftlichen Aktivitäten

Professor Muhammad Yunus – Frauen im Zentrum unserer wirtschaftlichen Aktivitäten

Professor Muhammad Yunus gründete die Grameen Bank in Bangladesch mit dem Ziel, Menschen auf ihrem Weg aus der Armut zu unterstützen. Durch die Vergabe von Krediten, ohne den Nachweis von Sicherheiten, werden erwerbsbringende Tätigkeiten der ärmeren Bevölkerungsschichten unterstützt und Einkommensmöglichkeiten geschaffen. Das Projekt, welches Mitte der 70iger Jahre mit einem kleinen Privatkredit von Prof. Yunus an verarmte Korbflechter/innen begann, hat sich mittlerweile in so einem Maß fortentwickelt, dass die Grameen Bank nun an der Spitze einer wachsenden internationalen Bewegung steht, die Armut durch die Vergabe von Mikrokrediten bekämpfen will. Grameen verfügt heute über 8.4 Millionen Kreditnehmer (94 Prozent davon sind Frauen) und hat Kredite in Höhe von 8.4 US Dollar ausgegeben, wobei die Rückzahlungsrate fast 100 Prozent beträgt. Prof. Yunus ist Preisträger von 112 Auszeichnungen, einschließlich dem World Food Prize, dem Sydney Peace Prize und dem Seoul Peace Prize. Er erhielt den Friedensnobelpreis in 2006 und die Presidential Medal of Freedom von US Präsident Barack Obama in 2009.

Professor Muhammad Yunus

In den letzten 60 Jahren konnten wir beobachten, wie der Kapitalismus seinen Höhepunkt erreicht. Wir konnten miterleben, wie sozialistische Wirtschaftssysteme zerfielen und daraufhin zügig kapitalistische Wirtschaftsformen annahmen.  Zweifellos hat diese Entwicklung vielen Menschen in verschiedenen Teilen der Welt zu neuem Wohlstand und Reichtum verholfen. Gleichzeitig wurden jedoch auch Millionen, wenn nicht gar Milliarden Menschen in Armut zurückgelassen. 

Seit 2008 erleben wir, wie eine gravierende Finanzkrise die Weltwirtschaft erschüttert, wie die Arbeitslosigkeit extrem angestiegen ist, sogar in den so genannten wohlhabenden westlichen Ländern. Diese Krise und die daraus resultierenden sozialen Probleme zeigen die Schwächen des globalen kapitalistischen Systems deutlich. Ich bin überzeugt, dass diese Krisen uns eine Möglichkeit eröffnen, die Dinge zum Besseren zu gestalten.

Gewinnorientierte Unternehmen sind nicht fähig unsere sozialen Probleme zu lösen, in einigen Fällen haben sie sogar zu einer Verschlechterung geführt.  Ich setze mich aktiv für die Einführung von sozialorientierten Unternehmen und nicht-gewinnorientierten Firmen ein, um unseren sozialen Problemen in Zukunft effektiver entgegen zu treten. Ein Merkmal sozialorientierter Unternehmen ist, dass sie Frauen in den Mittelpunkt der wirtschaftlichen Aktivität stellen. 

Die Grameen Bank war das erste sozialorientierte Unternehmen mit dem wir 1976 diesen alternativen Weg beschritten. Heute hat die Bank 8.4 Kreditnehmer (94 Prozent davon sind Frauen) und ist die einzige ländliche Bank, die komplett im Besitz ihrer Kreditnehmer ist. Die Grameen Bank zeigte zum ersten Mal, dass Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten, insbesondere die Frauen unter ihnen, nicht nur bankfähig sein können, sondern in der Regel auch bankfähiger sind  als reiche Personen. Mehr als 200 Millionen Menschen, größtenteils Frauen, haben nun weltweit Zugang zu Mikrokrediten. Studien belegen, dass sie dadurch eine Reihe von positiven Entwicklungen innerhalb ihrer Familien und Gemeinschaften bewirken konnten.  

Es sind nun fast 40 Jahre seit unserer Gründung vergangen. Ständig verfolgten wir die Entwicklung der Kinder unserer Kreditnehmer, um zu sehen welchen Einfluss unsere Arbeit auf ihr Leben hat. Für unsere weiblichen Kreditnehmer waren ihre Kinder von höchster Priorität. Eine der „Sechzehn Entscheidungen“, welche unsere Grameen Kreditnehmer festlegten und beachteten, war ihre Kinder zur Schule zu schicken. Die Grameen Bank förderte sie in diesem Bestreben und bald gingen alle Kinder zur Schule. Viele dieser Kinder zählten bald zu den Besten in ihrer Klasse und wir begannen Stipendien an ausgezeichnete Schüler zu vergeben sowie Studienkredite an jene, die einen höheren Schul- oder Universitätsabschluss anstrebten. Dieser Fortschritt wurde durch unsere weiblichen Kreditnehmer ermöglicht. 

Im Laufe der Jahre gründeten wir eine Reihe von sozialorientierten Unternehmen, um verschiedenste Probleme der armen Bevölkerung Bangladeschs zu bewältigen. Egal ob es sich um eine Firma zur Bereitstellung von erneuerbaren Energien, einem Unternehmen für Gesundheitsfürsorge oder um eine Firma für Informationstechnologie handelte, die Hauptakteure für Veränderungen waren Frauen.  

Im Rückblick würde ich sagen, dass die stille Revolution, die wir durch Mikrokredite und sozialorientierte Unternehmen hervorbrachten, zum großen Teil darauf beruhte, dass Frauen eine zentrale Rolle in allen Aktivitäten einnahmen.  Dies wird nicht nur durch die Tatsache bewiesen, dass Mikrokredite zu höheren Haushaltseinkommen und höheren Ersparnissen geführt haben, sondern auch zur Stärkung der Frauen, einer Verringerung der Kinder- und Muttersterblichkeit, einer Reduzierung der Familiengröße und der Möglichkeit, Millionen Kindern den Besuch einer Schule zu eröffnen. All diese positiven Veränderungen haben eine neue Generation heranwachsen lassen, die sich stark von der vorherigen unterscheidet. Die Grameen Bank und sozialorientierte Unternehmen stellen einen Mikrokosmos dar, der zeigt was global erreicht werden kann, wenn Frauen in das Zentrum sozialer und ökonomischer Aktivitäten gestellt werden. 

Der 20. Jahrestag der richtungsweisenden, 1995 in Peking stattgefundenen Weltfrauenkonferenz, ist ein guter Anlass unsere Verpflichtung zu bekräftigen, Frauen weiterhin in ihrer sozialen sowie wirtschaftlichen Position zu stärken. Dies ist nicht nur für die Frauen von großer Bedeutung, sondern auch für das zukünftige Wohlergehen unserer Kinder und Kindeskinder. 

Diese Übersetzung wurde durch die ehrenamtliche Unterstützung von Regine Witkowsky erstellt.