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Beendigung der Gewalt gegen Frauen

Weltweite Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen ist eine extreme Menschenrechtsverletzung, die Frauen in allen Ländern und Kulturen erleben. Jede dritte Frau erlebt im Verlauf ihres Lebens physische oder sexualisierte Gewalt - zumeist innerhalb, oft aber auch außerhalb einer Partnerschaft. Sexualisierte Belästigung kommt in diesen Statistiken allerdings nicht vor. In einigen Regionen erleiden sogar bis zu sieben von zehn Frauen physische oder sexualisierte Gewalt durch ihren Partner. 

Formen von Gewalt sind vielfältig. Sie reichen von subtileren Formen wie Demütigungen, Beleidigungen und Einschüchterungen zu sexualisierten Belästigungen und Übergriffen, Schlägen, Vergewaltigungen, Zwangsheiraten, dem Zwang zu Sterilisation und Abtreibung, Säureattacken, Genitalverstümmelung, Massenvergewaltigungen und Frauenhandel. Auch digitale Gewalt weitet sich immer mehr aus. Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat weitreichende Konsequenzen, sie schadet nicht nur den Frauen selbst, auch ihre Familien und die Gesellschaft sind davon betroffen. Auch setzt sich Gewalt oft über Generationen hinweg fort.

Erfahren Sie auch mehr zu der Thematik in diesem deutschsprachigen FactSheet von UN Women sowie auf Englisch auf der Webseite von UN Women

Die Situation in Deutschland

Quelle: Part­ner­schafts­ge­walt - Kri­mi­nal­sta­tis­ti­sche Aus­wer­tung - Be­richts­jahr 2017

Alle 5 Minuten wird in Deutschland eine Frau misshandelt, gestalkt oder bedroht. Die kriminalstatistische Auswertung von Partnerschaftsgewalt zeigte erneut das erschreckende Ausmaß an Delikten, darunter Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung, Stalking und Nötigung, Zuhälterei und Zwangsprostitution. Insgesamt waren 113.965 Frauen  betroffen, 82 Prozent der Opfer und Überlebenden. 49,1 Prozent lebte in einem Haushalt mit dem Tatverdächtigen. Es handelt sich um Hellfeldziffern, man geht davon aus, dass 80 Prozent der Fälle im Verborgenen stattfinden. 

Bundesfrauenministerin Dr. Giffey erklärt dazu: „Die Zahlen sind schockierend, denn sie zeigen: Für viele Frauen ist das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort – ein Ort, an dem Angst herrscht. Häufiger als jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. 2017 starben insgesamt 147 Frauen durch sogenannte Partnerschaftsgewalt. Das ist für ein modernes Land wie Deutschland eine unvorstellbare Größenordnung. Es geht um Straftaten, die geahndet werden und für die die Täter zur Verantwortung gezogen werden müssen. Genauso wichtig ist, den Frauen Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen. Dazu haben wir ein Aktionsprogramm gegen Gewalt an Frauen gestartet und einen Runden Tisch von Bund, Ländern und Kommunen eingerichtete, der abgestimmte Gegenmaßnahmen erarbeiten wird.“

Diesbezügliche Forderungen UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V.

  1. Keine Toleranz gegenüber jeder Form von Gewalt gegen Frauen, sei sie strukturell, sexualisiert, physisch oder psychisch.
  2. Konsequenzen für die Täter: Bestehende Strafen und Sanktionen müssen konsequent und vollständig Anwendung finden.
  3. Psychologische Unterstützung für die Betroffenen: Es müssen ausreichend Angebote und Anlaufstellen mit Ärzt*innen, Sozialarbeiter*innen und Berater*innen eingerichtet werden.
  4. Finanzierung einer ausreichenden Zahl von Plätzen in barrierefreien und bedarfsgerechten Frauenhäusern.
  5. Verpflichtende Schulungen zu sexualisierter Belästigung und Mobbing sowie Sensibilisierung allgegenwärtiger und bestehender patriarchaler Strukturen für die Justiz und alle diejenigen, die sich in Macht- und Führungspositionen befinden.
  6. Schulungs- und Informationsangebote für Mitarbeiter*innen, um sexualisierte Belästigung zu erkennen und ihre Rechte zu kennen.
  7. Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen zu den Formen sexualisierter Gewalt.


Alle Maßnahmen müssen ausreichend finanziert werden sowie die speziellen Bedürfnisse besonders vulnerabler Gruppen einbezogen werden.
Ausführlichere Forderungen finden Sie im CEDAW-Alternativbericht, an dessen Erstellung das Deutsche Komitee beteiligt war.

UN Women für die Beendigung von Gewalt gegen Frauen

Die Beendigung und Prävention von Gewalt gegen Frauen ist ein zentraler Schwerpunkt in der weltweiten Arbeit zur Stärkung der Frauenrechte und der Gleichstellung der Geschlechter und eine moralische Verpflichtung.

UN Women ist daher Teil der "Spotlight Initiative to eliminate violence against women and girls": Die EU und die UN haben im Herbst 2017 diese globale, über mehrere Jahre angelegte Initiative ins Leben gerufen, die alle Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen aus dem Schatten holen und beenden soll. Bisher wurden 500 Millionen Euro zugesagt, größtenteils von der EU, dies und damit auch die Reichweite soll jedoch sukzessive erweitert werden. Nur so kann auch die Agenda 2030 erreicht werden.

Informationen über die Bemühungen von UN Women im Bereich der Prävention finden Sie z.B. in "A framework to underpin action to prevent violence against women" (2015). 

UN Women und die Say No UNiTE - To end Violence against women-Kampagne rufen seit November 2012 die Regierungen der Weltgemeinschaft zu konkreten Verpflichtungen zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen auf. Die COMMIT-Kampagne zielt darauf, dass die Regierungen sich zu konkreten Maßnahmen wie der Verbesserung von Gesetzen oder der Durchführung von Aufklärungskampagnen bekennen.
Deutschland trat „COMMIT“ im November 2012 bei und verpflichtete sich darüber hinaus zur Ratifizierung des "Übereinkommen(s) des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt" (12.10.2017, in Kraft ab 1.2.2018) sowie zu einer Verbesserung der Datenlage in Bezug auf geschlechtsspezifische Gewalt (etwa durch eine jährliche Sonderauswertung der polizeilichen Kriminalstatistik zu häuslicher Gewalt durch das BKA).
Der von UN Women verantwortete UN Trust Fund to End Violence against Women, der 1996 von der UN Generalversammlung beschlossen wurde, unterstützt lokale Organisationen in ihren Bemühungen, Frauen vor Gewalt zu schützen, sie über ihre Rechte aufzuklären und die Bildung und ökonomische Situation von Frauen zu verbessern, damit sie so den Teufelskreis von Abhängigkeit und Gewalt durchbrechen können.

Informationen über die Sensibilisierungskampagne #OrangeTheWorld finden Sie hier. 

Datenbanken: "Global Database on Violence against Women" und "Inventory on United Nations Activities to End Violence against Women"

Im Dezember 2006 nahm die Generalversammlung eine umfassende Resolution für die Intensivierung der Maßnahmen zur Beseitigung aller Formen der Gewalt an Frauen an. Der Generalsekretär wurde gebeten, eine koordinierte Datenbank zu gründen, in welcher der Umfang, die Arten und die Konsequenzen jeder Form von Gewalt an Frauen aufgenommen werden und die Wirkung von Regelungen und Programmen zur Beseitigung dieser Gewalt aufgeführt werden.
Die Datenbank “UN Secretary-General’s database on violence against women” wurde 2009 entwickelt. UN Women hat 2016 im Zusammenhang mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung die Datenbank umgestaltet und mit dem Namen “Global Database on Violence against Women” neu eingeführt.
Das Ziel der Datenbank ist u.a. der vereinfachte Zugang zu umfassenden und aktuellen Informationen zu Maßnahmen von Regierungen zur Beendigung der Gewalt an Frauen und Mädchen und die Möglichkeit zum Austausch von Erfahrungen und best practices zur Problematik.
Die Datenbank "Inventory on United Nations Activities to End Violence against Women" gibt eine Übersicht über Maßnahmen zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen in allen UN Einheiten.

Stand: September 2018