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Frauen und Energie - Fokus Deutschland

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Dieser Beitrag wurde von Frau Ulrike Röhr, Projektleiterin der Leitstelle Gender Umwelt Nachhaltigkeit, verfasst. 

Dem Gender Mainstream fehlt die Energie – der Energie(wende) fehlt der Gender Mainstream

Es gab Zeiten, da spielte das Bundesumweltministerium eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung des Gender Mainstreamings, wurde im Bundesumweltamt die wissenschaftliche Facharbeit aus der Genderperspektive unter die Lupe genommen, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen geschult. Lang ist‘s her, und viel ist nicht davon übrig geblieben. 

20 Jahre nach Beijing lässt die Umsetzung des Kapitel K der Aktionsplattform in der deutschen Umweltpolitik noch sehr zu wünschen übrig. Gender Mainstreaming ist nicht in den Prozessen verankert, sondern vom Engagement Einzelner abhängig. Im Sommer 2013 kam eine Bewertung der Verankerung des Genderwissens im Umweltbereich [1] zu dem Schluss, dass in der Umweltpolitik allen Gremien, die Kontinuität und eine gesicherte finanzielle Basis haben, das Genderwissen fehlt, und umgekehrt, dass Genderstrukturen im Umweltbereich jegliche kontinuierliche Finanzierung fehlt. Beispiele für ersteres die umweltpolitischen Räte und Beiräte, die alle ohne personelle Einbeziehung von Genderexpertise auskommen und damit auch inhaltlich frei von Genderperspektiven bleiben. Auf der Seite der Genderstrukturen schlägt trotz mangelnder finanzieller Ressourcen die unermüdliche Lobbyarbeit der GenderexpertInnen und Frauenorganisationen positiv zu Buche, die gebetsmühlenartig auf diese Lücken hinweisen und dabei zumindest manchmal Aha-Effekte auslösen. 

Das reicht aber nicht, wie man an aktuell so brennenden Themen wie der Klimapolitik oder der Energiewende sieht. Beiden eng zusammenhängenden umweltpolitischen Handlungsfeldern fehlt die Geschlechterperspektive, diese wird ausschließlich in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit adressiert. 

Beim Blick auf die Energiewende fällt auf, dass sowohl die Politik wie auch in der Wirtschaft nach wie vor deutlich von Männern und männlichen Machtstrukturen dominiert werden. Auffällig ist hier auch die große Diskrepanz zwischen der grundsätzlichen Ablehnung von Risikotechnologien der Bevölkerung und hier vor allem der Frauen auf Seiten der Bevölkerung und dem Fokus auf Technologien, darunter auch Risikotechnologien, auf Seiten der Politik. Die traditionell stärker auf Vorsorge ausgerichteten Einstellungen von Frauen finden hier keinen Niederschlag, obwohl Frauen laut aller Umfragen die größten Unterstützerinnen der Energiewende sind. Eine Genderanalyse der die Energiewende begleitenden Gesetze und Maßnahmen hat bisher weder stattgefunden, noch ist sie geplant.

Ganz ähnlich stellt sich die Situation beim Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 dar. Die gerade vorgelegten Eckpunkte für das Programm setzen ausschließlich auf technische Verbesserungen. Gut, hier geht es darum, möglichst schnell die Lücke zu den versprochenen 40% CO2-Reduzierungen zu schließen. Bei in den letzten Jahren tendenziell steigenden Emissionen ist der Druck groß. Aber dann steht auch gleich noch das Klimaschutzprogramm 2050 an, mit dem ehrgeizigen, aber unumgänglichen Ziel einer 80 bis 95%igen Reduzierung der CO2-Emissionen. Dieses soll 2016 verabschiedet werden, also in zwei Jahren. Es ist zu befürchten, dass auch hier die technologischen Entwicklungen im Vordergrund stehen werden.

Die Energiewende und der Klimaschutz mit seiner fast vollständigen Vermeidung von CO2-Emissionen sind DIE Projekte der Zukunft, mit denen die Weichen gestellt werden für das Leben und Überleben auf diesem Planeten. Dazu bedarf es mehr als technologiefixierte Problemlösungen, es bedarf einer sozial-ökologischen Transformation, und der gesellschaftlichen Teilhabe an diesem Prozess. Wir hoffen sehr, dass die Bundesregierung diese Lektion lernt und dabei auch die Geschlechtergerechtigkeit im Blick hat.

[1] Ulrike Röhr (2013): Verstetigung von Genderwissen im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit. Präsentation bei der Veranstaltung „Welches Wissen braucht die Gleichstellungspolitik?“ am 4.7.2014 in Berlin (unveröffentlicht)