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Klima und Gender

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Klima und Gender

Der menschengemachte Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Alle Aspekte der Klimakrise haben eine Gender-Dimension: Frauen und Männer tragen unterschiedlich zu den Ursachen  bei, werden unterschiedlich von den Auswirkungen getroffen und wählen unterschiedliche Lösungen zur Eindämmung des Klimawandels, wenn sie die Wahl haben.

Frauen und Mädchen werden von der Klimakrise besonders hart getroffen

Naturkatastrophen unterscheiden nicht zwischen den Geschlechtern. Es gibt jedoch deutliche Unterschiede dabei, wie Frauen und Männer die Auswirkungen des Klimawandels erfahren. Frauen und Kinder sterben bei einer Katastrophe mit 14-mal höherer Wahrscheinlichkeit als Männer, unter anderem weil sie später gewarnt werden, seltener schwimmen können und sich auf der Flucht um Angehörige kümmern. Beim Tsunami 2004 in Asien waren 70% der Todesopfer Frauen. 

Bis zu 80% der 21,5 Mio. Menschen, die aufgrund von klimabedingten Katastrophen fliehen, sind Frauen. Auf der Flucht sind sie häufiger von körperlicher und sexualisierter Gewalt, Zwangsprostitution und Ausbeutung betroffen.

Es hat sich gezeigt, dass Klimakatastrophen geschlechtsspezifische Gewalt, etwa sexualisierte Gewalt, häusliche Gewalt, Kinderheirat und Menschenhandel, verstärken.

Flut 2019 in Bangladesch, Foto: UN Women/Mohammad Rakibul Hasan

Frauen und Mädchen leiden nach Krisen länger und stärker, etwa durch niedrigere Einkommen und schlechteren Zugang zu Produktionsmitteln, durch Nahrungsmittelunsicherheit und Unterernährung. Das haben zum Beispiel Auswertungen in Myanmar 2015 gezeigt.

Bei Dürre, Wassermangel oder Waldsterben müssen Frauen und Mädchen noch längere Strecken zurücklegen, um Wasser oder Brennholz zu holen. Diese Mehrarbeit geht häufig mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen und erhöhtem Risiko für sexualisierte und körperliche Gewalt einher. In Ostafrika müssen Frauen oft mehr als zehn Kilometer laufen auf der Suche nach Wasser. Durch erhöhte Care-Arbeit bleibt weniger Zeit für Bildung, Erwerbsarbeit oder politisches Engagement, mit Auswirkungen auf das Einkommen von Frauen und ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Fast 40 Millionen Kinder werden jährlich durch klimabedingte Katastrophen in ihrer Bildung eingeschränkt. 

Heutzutage finden die unterschiedlichen Auswirkungen des Klimawandels auf Frauen zunehmend Beachtung. Dennoch wird die wichtige Rolle von Frauen bei Klimaverhandlungen, als Triebkräfte für Veränderungen und im Umgang mit natürlichen Ressourcen häufig übersehen. 

Frauen führen den Wandel an

Frauen und Mädchen setzen sich stark und erfolgreich für die Anpassung an den Klimawandel und die Eindämmung des Klimawandels ein. In vielen Ländern stehen sie an der Spitze der Klimabewegung. 

Frauen können durch ihr Wissen und ihre Fertigkeiten wichtige Beiträge zur Katastrophenprävention und -bewältigung auf der lokalen und individuellen Ebene beitragen. Sie brauchen den gleichen Zugang zu (Aus-)Bildung, Forschung und Ressourcen, damit sie einen noch größeren Beitrag zur Eindämmung der Klimakrise leisten können

Gendersensible Perspektive auf die Ursachen, die Auswirkungen und die Bekämpfung der Klimakrise

Bei allen Klimaschutzmaßnahmen muss die Genderperspektive mitgedacht werden und alle Maßnahmen müssen zu Geschlechtergerechtigkeit beitragen. Gender-Expert*innen müssen zwingend an der Entwicklung internationaler, nationaler und lokaler Anpassungspläne beteiligt werden.

Das UNFCCC-Sekretariat (UN Convention on Climate Change) stellt daher die Zusammenhänge zwischen Gender und den Klimathemen der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen dar. 

Klimalösungen werden nicht effektiv sein, wenn nicht alle gesellschaftlichen Gruppen (und auch alle Geschlechter) bei den Entscheidungsfindungen teilhaben und ihre Erfahrungen, Expertisen und Bedürfnisse einfließen, u.a. bei den internationalen Klimaverhandlungen, der nationalen Klimapolitik, der lokalen Krisenbewältigung, in der Wissenschaft und in der Wirtschaft

Symbol des 13. Ziels der Agenda 2030: Handeln für den Klimaschutz

Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und Klima

Ziel 13 der Agenda 2030 beschreibt Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen. Da diese Konsequenzen Frauen ganz besonders stark treffen, müssen auch die Lösungen geschlechtsspezifisch sein und somit Frauen und ihre Expertise miteinbinden.

UN Women und Klima

Foto einer Farmerin mit dem Schriftzug "Feminist Action for Climate Justice"

Eine Action Coalition des Generation Equality Forums beschäftigte sich explizit mit dem Thema "Feministisches Handeln für Klimagerechtigkeit", hier finden Sie die den gesamten "Global Acceleration Plan".

Informieren Sie sich auch über die Arbeit von UN Women im Bereich Klima und das "Gender Equality and Climate Action" Training Center

UN Women setzt sich dafür ein, ...

... dass Frauen an allen Entscheidungsprozessen teilhaben;
... dass die Gleichstellung der Geschlechter Teil der globalen Klimaverhandlungen und der nationalen Klimapolitik ist;
... dass Frauen und Mädchen nach Naturkatastrophen mit dem Nötigsten versorgt werden, sicher sind und Wege aus der Krise finden. 

Wenn Sie die Arbeit von UN Women unterstützen wollen, finden Sie hier mehr Informationen.

Spendenaufruf Klima&Gender zum Internationalen Frauentag 2022

Weiterführende Informationen zu Klima und Gender

Der neuste Bericht des Weltklimarates (IPCC) aus dem August 2021 zeigt, dass nicht mehr viel Zeit bleibt, um den Temperaturanstieg, wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart, auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Und selbst unter diesen Bedingungen würde es häufiger zu bisher selten auftretenden Wetterextremen kommen. UN-Generalsekretär António Guterres sowie viele NGOs fordern rasches und entschlossenes Handeln von den Politiker*innen. 

Gender Climate Tracker
Der Gender Climate Tracker der Women's Environment and Development Organization (WEDO) bietet einen niedrigschwelligen Zugang zu aktuellen Forschungen und Informationen zu Klima und Gender Thematiken. Die aufgeführten Daten sind hilfreich, um bestehende Gender Gaps zu erkennen und daraufhin politische Handlungsprozesse anzustoßen.

Women and Gender Constituency 
Zusammenschluss von 27 zivilgesellschaftlichen Frauen- und Umweltorganisationen zur Einbindung von Frauenrechten und der Gleichstellung der Geschlechter in alle Prozesse und Ergebnisse der UN-Klimaverhandlungen.   

GenderCC
Globales Netzwerk aus Organisationen, Expert*innen und Aktivist*innen aus aller Welt, die gemeinsam für eine geschlechtergerechte Klimapolitik kämpfen und daher öffentlich für den Zusammenhang von Gender und Klima werben.

Women Engage for a Common Future (WECF)
Internationales Netzwerk, das danach strebt, die Stimmen von Frauen und sozialen Randgruppen politisch hörbar zu machen im Kampf um öffentliche Gesundheitspflege, Umweltschutz und Geschlechtergerechtigkeit.

Interdependente Genderaspekte der Klimapolitik (PDF, 3,61 MB)
Abschlussbericht zum Projekt "Gendergerechtigkeit als Beitrag zu einer erfolgreichen Klimapolitik: Wirkungsanalyse, Interdependenzen mit anderen sozialen Kategorien, methodische Aspekte und Gestaltungsoptionen", das GenderCC gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium erarbeitet hat.

Gender, Climate & Security (PDF, 1,56 MB)
UN Women Handbuch zu den Veflechtungen von Gleichstellung der Geschlechter und Klimaschutzmaßnahmen.

A Tale of Multiple Disconnects: Why the 2030 Agenda does not (yet?) contribute to moving German gender equality struggles forward (PDF, 480 KB)  
Diskussionspapier von der UN über den Fortschritt der Agenda 2030 und die fehlende Verflechtung von Klima und Gender in Deutschland.

Für eine geschlechtergerechte Bewältigung der Corona- und der Klima-Krise (PDF, 606 KB)
Ein Diskussionspapier von genanet, GenderCC und Life beleuchtet die genderspezifischen Parallelen der Corona-Krise und der Klima-Krise und verdeutlicht, wie sie die dritte Krise, die der Care-Arbeit, verschärfen.

 

Stand: März 2022