UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V. | Für die Rechte von Frauen

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Warum HeForShe?

Schön, dass du hier bist und aktiv werden willst. HeForShe ist eine Möglichkeit, tiefer einzusteigen, den Blick für Strukturen zu schärfen und dabei die eigene Prägung und Rolle zu reflektieren.

Nicht alle Männer sind gleich, und auch Frauen sind keine homogene Gruppe.1 Dennoch lässt sich verallgemeinernd sagen, dass Männer strukturell bedingt häufiger in Machtpositionen sind als Frauen. Wenn wir wollen, dass Frauen die gleichen Verwirklichungschancen haben, heißt das, dass Männer ihre Privilegien, ihre gewohnten und erlernten Verhaltensweisen und die ihnen zugeschriebenen Rollen in der Gesellschaft reflektieren und in Frage stellen müssen.

Das ist nicht immer leicht, aber anders können wir nicht „ent-lernen“, was wir durch unsere Sozialisation, also durch unsere Familie und unser Umfeld, verinnerlicht haben und neu lernen, wie wir zu einem besseren, faireren Miteinander kommen können, in dem alle Menschen gleiche Rechte und Chancen haben und so sein können, wie sie möchten – und nicht, wie sie qua zugeschriebenem Geschlecht sein sollen. Auch Männer sollen die Möglichkeit haben, sich aus einem starren Korsett von Erwartungen und Einschränkungen lösen zu können. Sie müssen z. B. nicht alleiniger Ernährer sein,  können in Elternzeit gehen, sich um ihre Gesundheit kümmern, müssen nicht immer hart, dominant und angstfrei sein, dürfen Gefühle zeigen. Sich kritisch mit der Frage auseinander zu setzen, welche Männlichkeitsbilder es gibt, ist ein guter Einstieg, um sich von überkommenen zu lösen.

Wie kannst du für HeForShe aktiv werden?

Es gibt schon viele Sammlungen dazu, was man tun kann, um ein Verbündeter zu sein. Trotzdem werden wir oft gefragt, welche Unterstützung wir uns wünschen und wo man(n) anfangen kann. Hier also eine unvollständige Liste. Es ist keine Check-Liste, es geht auch nicht um Perfektion. Unsere Tipps sollen nicht einschüchtern. Sie sollen Anregungen geben, wo du anfangen kannst.

Bevor du weiterliest: Wenn du etwa denkst „das machen gar nicht alle Männer“ oder „das mach ich überhaupt nicht“, dann sei versichert, dass das so auch nicht gemeint ist. Übernimm unbedingt Verantwortung für dein eigenes Handeln, aber beziehe nicht unmittelbar alles auf dich. Strukturelle Verhaltensmuster und Privilegien zu hinterfragen bedeutet nicht unweigerlich, dass man selbst diese Muster zeigt.

Informiere dich. Wir alle haben diese Strukturen verinnerlicht. Es ist ein langer und nicht immer leichter Prozess, sie in Frage zu stellen. Lies Artikel, Zines oder Bücher, höre Podcasts, folge spannenden Aktivist*innen auf Social Media oder schaue Dokumentationen, um ein besseres Bild davon zu bekommen, welche Probleme es gibt, welche Auswirkungen sie haben und was andere tun und getan haben, um sich für Geschlechtergerechtigkeit zu engagieren. Gemeinsam mit den HeForShe Deutschland Botschaftern haben wir hier ein paar Empfehlungen für dich zusammengestellt.

Höre Frauen wirklich zu, wenn sie dir von ihren Erfahrungen berichten wollen. Erwarte dabei nicht, dass sie alle Arbeit für dich machen. Stelle nicht als erstes die Erfahrung in Frage, sondern versuche, dich in ihre Position hineinzuversetzen und ihre Denkweise nachzuvollziehen. („Das war doch nur ein Kompliment“ etwa ist keine gute Antwort, wenn von Catcalling erzählt wird.)

Erweitere deine Perspektive. Wie sieht deine Mediathek aus? Wann hast du das letzte Mal ein Buch von einer Autorin gelesen? Welche Künstlerinnen hörst du, welchen Aktivistinnen folgst du auf Social Media?

Werde aktiv. Schließe dich z. B. einer Gruppe an oder gründe selbst einen (digitalen) Stammtisch, um dich mit Gleichgesinnten auszutauschen, oder lest gemeinsam Bücher von feministischen Vordenker*innen (wir stehen schließlich auf den Schultern von Ries*innen), startet eine Social Media Aktion (taggt uns gern), führt ein „Detox Diary“ (coming soon), sprecht über Dinge, die euch verwirren, die Augen geöffnet haben, an denen ihr arbeiten wollt.

Gib Frauen die Bühne, die ihnen zu oft verwehrt wird. Wen zitierst du in deinem Artikel, wer sitzt auf dem Podium der Veranstaltung, die du organisierst, wem wird in einem Meeting bei der Arbeit das Wort abgeschniten?

Trage Feminismus in all deine Bereiche. Es reicht nicht, nur dort über Gleichberechtigung zu sprechen, wo ohnehin schon viel darüber gesprochen wird und wo man sich des Zuspruchs sicher sein kann. Gerade auch in Umgebungen, in denen Frauen im Zweifelsfall nicht oder schwer Gehör finden, sollte über Feminismus gesprochen werden.

Scheue dich nicht davor, Fehler einzugestehen, dich zu entschuldigen oder zu korrigieren, wenn du merkst, dass etwas schief lief. Es ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen passiert. Reflektiere dein eigenes Verhalten anderen Menschen gegenüber, es reicht nicht zu sagen „ich bin Feminist“, es ist vielmehr ein kontinuierlicher Lern- und Reflexionsprozess.

Konfrontiere dein Umfeld konstruktiv, z. B. wenn Kolleg*innen oder Freund*innen keine geschlechtergerechte Sprache verwenden, wenn sie sexistische Witze machen oder Grenzen übertreten. Wende dich an die Verantwortlichen, wenn du auf sexistische Werbung oder ein Podium stößt, das nur mit Männern besetzt ist.

Stelle dich nicht auf ein Podest. Auch wenn wir männliche Feministen als Vorbilder brauchen, muss anerkannt werden, dass Männer viel mehr Aufmerksamkeit und oft Lob (manchmal jedoch auch vergleichbare Abwehr) bekommen, wenn sie das sagen, was Frauen seit Jahrzehnten thematisieren.

Sei offen für Kritik, wenn dich jemand auf Fehlverhalten hinweist. Das ist selten schön, aber da müssen wir alle durch, wenn wir ent-lernen und dazulernen wollen (für Feminismus, Anti-Rassismus, Anti-Ableismus etc.). Frag nach, wenn du die Kritik nicht verstehst. Daraus kann eine gewinnbringende Unterhaltung entstehen, aber respektiere, dass von Sexismus betroffene Personen Männern weder Erklärungen schuldig sind, noch Verantwortung für deine Lernreise tragen.

Teile die Aufgaben und die Verantwortung. Übernimm deinen Anteil der Sorgearbeit und der Mental Load, ob nun in einer gemischten WG oder einer heterosexuellen Beziehung. Wenn du bei Freund*innen zum Essen eingeladen bist – wer fragt, ob noch etwas mitgebracht werden kann, wer deckt den Tisch ab?

Wenn du Kinder hast, sprich mit ihnen über Gleichstellung. Schenkst du auch deinem Sohn eine Puppe, lässt ihn seine Gefühle offen zeigen, bringst ihm bei, alle Menschen zu respektieren? Übernimmt deine Tochter die meiste Hausarbeit? Klärt gemeinsam als Paar, wer in Elternzeit geht und wer ggf. die Arbeitszeit reduziert, reflektiert Rollenzwänge und strukturelle Ungleichheit. Es ist kein Zufall, dass Männer in heterosexuellen Beziehungen häufig die Hauptverdiener sind (Stichwort: Gender Pay Gap) und dass die Karriere von Frauen durch Teilzeit gebremst wird.

Setze dich mit rassistischen Männlichkeitsbildern auseinander. So ist zB. das Bild von Männern, die als muslimisch gesehen werden, oft das des gefährlichen, hypersexuellen, frauenverachtenden Machos. Nicht selten geht diese Sicht einher mit einem Unwillen, sich mit vergleichbaren Haltungen in der weißen Mehrheitsgesellschaft auseinanderzusetzen. Statt sexistisches Verhalten ausschließlich bei anderen zu verorten, sollte dies auch in der deutschen weißen Mehrheitsgesellschaft thematisiert werden.

Spende für feministische Organisationen. Um Anliegen Gehör zu verschaffen und Veränderungen anzustoßen, kannst du dir eine Organisation oder ein Projekt aussuchen, das gezielt Frauen und Mädchen unterstützt und Geld spenden. Es gibt viele tolle Projekte, mit denen Frauen gestärkt werden.

 

 


1Frauen und Männer, deren Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei ihrer Geburt zugewiesen wurde, bezeichnet man als cis-Personen. Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei ihrer Geburt zugewiesen wurde, sind trans. Manche Menschen werden als Frauen oder Männer wahrgenommen, sind jedoch nicht-binär und identifizieren sich als keines dieser beiden Geschlechter oder verorten sich dazwischen. Menschen sind unterschiedlich von Diskriminierung betroffen, viele von sich überschneidenden Diskriminierungsformen wie Sexismus und Rassismus.

Stand: Januar 2021

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