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Beendigung der Gewalt gegen Frauen

Eine Frau spricht in ein Mikrofon. Die Frau wurde zum Opfer eines Säureanschlags. Dies ist in ihrer linken Gesichtshälfte zu erkennnen.
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Weltweite Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen ist eine extreme Menschenrechtsverletzung, die Frauen in allen Ländern und Kulturen erleben. Jede dritte Frau erlebt im Verlauf ihres Lebens physische oder sexualisierte Gewalt - zumeist innerhalb, oft aber auch außerhalb einer Partnerschaft, sexualisierte Belästigung nicht inbegriffen. In einigen Regionen erleiden sogar bis zu sieben von zehn Frauen physische oder sexualisierte Gewalt durch ihren Partner. 

Violence against women: Facts everyone should know

Verschiedene Formen von Gewalt gegen Frauen

Formen von Gewalt gegen cis und trans Frauen, Mädchen und nicht binäre Menschen sind vielfältig. Die wohl am stärksten verbreitete Form geschlechtsspezifischer Gewalt ist partnerschaftliche Gewalt - allein vergangenes Jahr litten weltweit 243 Millionen Frauen und Mädchen unter Partnerschaftsgewalt. Wie man Anzeichen partnerschaftlicher Gewalt erkennt und was man dagegen tun kann, erfahren Sie hier.
Frauen und Mädchen erfahren jedoch auch in anderen Kontexten Gewalt. Während bewaffneter Konflikte sowie in Friedenszeiten, innerhalb der Familie, der Community, in der Gesellschaft. Formen geschlechtsspezifischer Gewalt reichen von subtileren Formen wie Demütigungen, Beleidigungen und Einschüchterungen zu sexualisierten Belästigungen und Übergriffen, sogenannten Jungfräulichkeitstests, Gewalt in der Geburtshilfe, Schlägen, Vergewaltigungen, Zwangsheiraten, bis hin zu dem Zwang zu Sterilisation und Abtreibung, Säureattacken, Genitalverstümmelung, Massenvergewaltigungen, Frauenhandel und Mord. Auch digitale Gewalt weitet sich immer mehr aus. Laut des aktuellen Welt-Mädchenberichts „Free to be online - Erfahrungen von Mädchen und jungen Frauen mit digitaler Gewalt“ der NGO Plan International haben 58% der befragten Mädchen bereits Bedrohungen, Beleidigungen und Diskriminierungen in den sozialen Medien erlebt. In Deutschland sind es sogar 70%
Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat weitreichende Konsequenzen, sie schadet nicht nur den Frauen selbst, auch ihre Familien und die Gesellschaft sind davon betroffen. Auch setzt sich Gewalt oft über Generationen hinweg fort.

Gewalt gegen Frauen: Die Situation in Deutschland

Die Kriminalstatistische Auswertung des Bundeskriminalamts zu Partnerschaftlicher Gewalt für das Berichtsjahr 2019 zeigt einen Anstieg um +0,74% im Vergleich zum Vorjahr: Es gab insgesamt 141 792 Betroffene von folgenden vollendeten und versuchten Delikten: Mord und Totschlag, Körperverletzungen, sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Bedrohung, Stalking, Nötigung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution. 81% davon sind Frauen. In den Deliktsbereichen "Vergewaltigung und sexuelle Nötigung", bei der "Freiheitsberaubung" oder im Bereich "Bedrohung, Stalking, Nötigung" sind vor allem Frauen die Leidtragenden (90-100%). 117 Frauen wurden 2019 durch einen Partner oder Expartner getötet (Mord, Totschlag, Körperverletzung mit Todesfolge; 2018 waren es 122) - fast an jedem dritten Tag eine Frau. Mehr als 1x pro Stunde wird statistisch gesehen eine Frau durch ihren Partner gefährlich körperlich verletzt. 

Die BKA-Statistik gibt jedoch nicht das gesamte Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt wider. Die aufgeführten Zahlen bilden nur jene Straftaten ab, die überhaupt zur Anzeige gebracht und die im Rahmen einer (ehemaligen) Partnerschaft verübt wurden. Die Dunkelziffer ist weitaus höher: Nach sogenannten Dunkelfeldstudien ist jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt betroffen. Das sind mehr als 12 Millionen Frauen, so das BMFSFJ. Genaue Zahlen zu geschlechtsspezifischer Gewalt außerhalb von Partnerschaften werden vom BKA gar nicht erst explizit statistisch erfasst, sodass hier auch das Hellfeld unbekannt ist. Folglich kann man auch keine Angaben zu der Anzahl von Femiziden in Deutschland machen, denn diese werden schließlich auch außerhalb von Partnerschaften verübt. Die Zahl der Femizide in Deutschland bleibt also eine unbekannte, da Tatmotive bei Tötungsdelikten von Frauen nicht hinreichend ermittelt werden. Zudem hat die Bundesregierung nach wie vor keine Definition von Femiziden anerkannt, auch nicht die der WHO, die unter einem Femizid die Tötung einer Frau versteht, weil sie eine Frau ist. Dadurch wird das Problem und die strukturellen Ursachen wie hierarchische Geschlechterverhältnisse, Unterdrückung und Misogynie nicht erkannt und als "Familien- oder Beziehungsdrama" individualisiert und verharmlost.

Weitere Informationen über die aktuelle Situation in Deutschland zu Gewalt gegen Frauen und Einblicke in persönliche Erfahrungen erhalten Sie in der WDR-Dokumentation „Gewalt gegen Frauen: Verliebt, verlobt, verprügelt“. Die Zeit hat außerdem versucht, alle Tötungsdelikte an Frauen durch ihren (Ex-)Partner in 2018 zu dokumentieren und so zu zeigen, welche tragischen Schicksale hinter jeder einzelnen Zahl stehen. Die Broschüre "#Keine Mehr - Femizide in Deutschland" bietet darüberhinaus eine umfassende Übersicht zum Thema Femizide in Deutschland und ist damit eine von nur sehr wenigen Publikationen, die sich dem Thema so detailliert widmet.

Orientiert man sich an den Empfehlungen der Istanbul Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, die 2018 in Deutschland in Kraft getreten ist, fehlen 14 600 Plätze in Frauenhäusern. Jede zweite Frau, die einen Platz sucht, muss abgewiesen werden. Das Hilfesystem in Deutschland ist überlastet, das hat auch die Covid19-Pandemie erneut bestätigt. Laut einer Rechereche von Correctiv halten aktuell 14 Bundesländer die rechtlichen Verpflichtungen der Istanbul Konvention nicht ein. Zudem gibt es weitere Probleme beim Opferschutz. Betroffene Frauen sehen sich oft erheblichen Hürden gegenüber, wenn sie die Täter anzeigen wollen. Verletzungen müssen professionell erfasst werden, um vor Gericht sicher als Beweise zu gelten, die Kosten hierfür tragen oft die Betroffenen. Auch die Gerichtsverfahren selbst stellen eine große Belastung dar, da sie von Victim-Blaming geprägt sind und oft retraumatisieren und nur selten zur Verurteilung des Täters führen. Kommt es zu einer Verurteilung, fällt das Strafmaß meist vergleichsweise gering aus. Gewaltdelikte im häuslichen Bereich, dem sog. sozialen Nahraum, werden meist deutlich geringer bestraft, als dieselben Delikte im öffentlichen Raum, da der Kontext einer Beziehung strafmildernd wirkt. Auch behalten Täter häufig das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder, was die Betroffenen weiterhin zu regelmäßigem Kontakt zwingt.

Zwar hat sich der Bund mit einem Förderprogramm in Höhe von 120 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre zu einem Ausbau von Beratungsstellen verpflichtet, jedoch ist dies nur ein erster Schritt. Erheblichen Bedarf gibt es auch in der präventiven Arbeit mit Tätern. So gibt es beispielsweise in Berlin nur eine Einrichtung, die speziell mit Tätern häuslicher Gewalt arbeitet. Dabei sollte das Ziel nicht nur sein, Betroffene von Gewalt zu schützen, sondern zu verhindern, dass die diese überhaupt stattfindet.

„Wir dürfen niemals wegschauen, wenn Mädchen oder Frauen Gewalt angedroht oder gar angetan wird“, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem aktuellen Podcast zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November und stellt die vier Maßnahmen der Bundesregierung zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen vor. „Jeder einzelne Fall erzählt eine schreckliche Geschichte und steht für ein schlimmes Schicksal“, so die Kanzlerin.

Petition gegen häusliche Gewalt

UN Women Deutschland forderte in der Petition gegen häusliche Gewalt ein Bundesgesetz, dass Frauen das Recht auf Schutz vor Gewalt und einen Platz im Frauenhaus garantiert. Die Bundesregierung muss die Istanbul Konvention vollumfänglich umsetzen: Die fehlenden Plätze müssen geschaffen und langfristig finanziert werden. Außerdem soll es mehr Programme zur Prävention von häuslicher Gewalt geben, die Männer und Frauen gleichermaßen miteinbeziehen. Den vollständigen Petitionstext finden Sie hier.

UN Women für die Beendigung von Gewalt gegen Frauen

Die Beendigung und Prävention von Gewalt gegen Frauen ist ein zentraler Schwerpunkt in der weltweiten Arbeit zur Stärkung der Frauenrechte und der Gleichstellung der Geschlechter und eine moralische Verpflichtung. Genauere Infos zum Engagement von UN Women finden Sie im Factsheet.

UN Women ist außerdem Teil der "Spotlight Initiative to eliminate violence against women and girls": Die EU und die UN haben im Herbst 2017 diese globale, über mehrere Jahre angelegte Initiative ins Leben gerufen, die alle Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen ans Licht bringen, thematisieren und beenden soll.

Informationen über die Sensibilisierungskampagne #OrangeTheWorld finden Sie hier

Weitere Informationen finden Sie außerdem im aktuellen UN Women Bericht Progress of the worlds women zu Familien in einer sich verändernden Welt. 

Das Virtual Knowledge Centre to End Violence Against Women and Girls von UN Women bietet eine sehr umfangreiche Übersicht mit Empfehlungen, Case Studies und Evaluation von Initiativen und Maßnahmen zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen.

Finanzierung

Der von UN Women verantwortete UN Trust Fund to End Violence against Women, der 1996 von der UN Generalversammlung beschlossen wurde, unterstützt lokale Organisationen in ihren Bemühungen, Frauen vor Gewalt zu schützen, sie über ihre Rechte aufzuklären und die Bildung und ökonomische Situation von Frauen zu verbessern, damit sie so den Teufelskreis von Abhängigkeit und Gewalt durchbrechen können.

Datenbanken

UN Women hat 2016 im Zusammenhang mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung die Datenbank  “Global Database on Violence against Women” neu eingeführt. Das Ziel der Datenbank ist u.a. der vereinfachte Zugang zu umfassenden und aktuellen Informationen zu Maßnahmen von Regierungen zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen und die Möglichkeit zum Austausch von Erfahrungen und best practices zur Problematik.
Die Datenbank "Inventory on United Nations Activities to End Violence against Women" gibt eine Übersicht über Maßnahmen zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen in allen UN Einheiten.

One Billion Rising verzeichnet alle Fälle von Tötungsdelikten und schweren Körperverletzungen gegen Frauen in Deutschland.

Logo Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

Sie benötigen Hilfe?

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, aber auch Menschen aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen und Fachkräfte.

Stand: Dezember 2020