UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V. | Für die Rechte von Frauen

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Beendigung der Gewalt gegen Frauen

Eine Frau spricht in ein Mikrofon. Die Frau wurde zum Opfer eines Säureanschlags. Dies ist in ihrer linken Gesichtshälfte zu erkennnen.
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Weltweite Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen ist eine extreme Menschenrechtsverletzung, die Frauen in allen Ländern und Kulturen erleben. Jede dritte Frau erlebt im Verlauf ihres Lebens physische oder sexualisierte Gewalt - zumeist innerhalb, oft aber auch außerhalb einer Partnerschaft, sexualisierte Belästigung nicht inbegriffen. In einigen Regionen erleiden sogar bis zu sieben von zehn Frauen physische oder sexualisierte Gewalt durch ihren Partner. 

Violence against women: Facts everyone should know

Verschiedene Formen von Gewalt gegen Frauen

Formen von Gewalt gegen Frauen sind vielfältig. Mit einem Klick auf die Bilder erhalten Sie weitere Informationen zu den verschiedenen Formen von Gewalt. Sie reichen von subtileren Formen wie Demütigungen, Beleidigungen und Einschüchterungen zu sexualisierten Belästigungen und Übergriffen, sogenannten Jungfräulichkeitstests, Schlägen, Vergewaltigungen, Zwangsheiraten, dem Zwang zu Sterilisation und Abtreibung, Säureattacken, Genitalverstümmelung, Massenvergewaltigungen und Frauenhandel. Auch digitale Gewalt weitet sich immer mehr aus. Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat weitreichende Konsequenzen, sie schadet nicht nur den Frauen selbst, auch ihre Familien und die Gesellschaft sind davon betroffen. Auch setzt sich Gewalt oft über Generationen hinweg fort.

Link "weitere Infos zur körperlichen Gewalt gegen Frauen"
Link "weitere Infos zur sexualisierten Gewalt gegen Frauen"
Link "weitere Infos zur weiblichen Genitalverstümmelung"
Link "weitere Infos zu Menschenhandel"

Gewalt gegen Frauen: Die Situation in Deutschland

Die Kriminalstatistische Auswertung des Bundeskriminalamts zu Gewalt gegen Frauen für das Berichtsjahr 2018 zeigt einen Anstieg um +1,3% im Vergleich zum Vorjahr: Es gab insgesamt 140 755 Opfer von folgenden vollendeten und versuchten Delikten: Mord und Totschlag, Körperverletzungen, sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Bedrohung, Stalking, Nötigung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution. 81,3% davon sind Frauen, bei den Tatbeständen "sex. Übergriff, sex. Nötigung, Vergewaltigung" sind es fast 100%. Letzteres ist 2019 auch das Thema von Orange the World122 Frauen wurden getötet (Mord, Totschlag, Körperverletzung mit Todesfolge; 2017 waren es 147) - an jedem dritten Tag eine Frau. Mehr als 1x pro Stunde wird statistisch gesehen eine Frau durch ihren Partner gefährlich körperlich verletzt. 

Die aufgeführten Zahlen bilden nur jene Straftaten ab, die überhaupt zur Anzeige gebracht wurden. Die Dunkelziffer ist weitaus höher: Nach sogenannten Dunkelfeldstudien ist jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt betroffen. Das sind mehr als 12 Millionen Frauen, so das BMFSFJ. 

Die Situation in Deutschland 2018: 14.600 Plätze fehlen in deutschen Frauenhäusern. 114.393 Frauen litten unter Gewalt in der Partnerschaft. 324 Frauen wurden Opfer von Mord und Totschlag durch ihren (Ex-)Partner. 8 Frauen täglich werden von ihrem Partner vergewaltigt oder sexuell genötigt. 122 Frauen starben durch die Hand ihres (Ex-)Partners. 26 Männer starben durch Partnerschaftsgewalt.

Dennoch fehlen 14 600 Plätze in Frauenhäusern. Jede zweite Frau, die einen Platz sucht, muss abgewiesen werden. Zudem gibt es weitere Probleme beim Opferschutz. Betroffene Frauen sehen sich oft erheblichen Hürden gegenüber, wenn sie die Täter verklagen wollen. Verletzungen müssen professionell erfasst werden, um vor Gericht sicher als Beweise zu gelten, die Kosten hierfür tragen oft die Betroffenen. Auch die Gerichtsverfahren selbst stellen eine große Belastung dar und führen selten zur Verurteilung des Täters. Kommt es zu einer Verurteilung, fällt das Strafmaß meist vergleichsweise gering aus. Gewaltdelikte im häuslichen Bereich werden meist deutlich geringer bestraft, als dieselben Delikte im öffentlichen Raum. Auch behalten Täter häufig das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder, was die Betroffenen weiterhin zu regelmäßigem Kontakt zwingt.

Erheblichen Bedarf gibt es außerdem in der präventiven Arbeit mit Tätern. So gibt es beispielsweise in Berlin nur eine Einrichtung, die speziell mit Tätern häuslicher Gewalt arbeitet. Dabei sollte das Ziel nicht nur sein, Betroffene von Gewalt zu schützen, sondern zu verhindern, dass die diese überhaupt stattfindet.

Weitere Informationen über die aktuelle Situation in Deutschland zu Gewalt gegen Frauen und Einblicke in persönliche Erfahrungen erhalten Sie in der WDR-Dokumentation „Gewalt gegen Frauen: Verliebt, verlobt, verprügelt“. Die Zeit hat außerdem versucht, alle Tötungsdelikte an Frauen durch ihren (Ex-)Partner in 2018 zu dokumentieren und so zu zeigen, welche tragischen Schicksale hinter jeder einzelnen Zahl stehen. 

Petition gegen häusliche Gewalt

UN Women Deutschland fordert in der Petition gegen häusliche Gewalt ein Bundesgesetz, dass Frauen das Recht auf Schutz vor Gewalt und einen Platz im Frauenhaus garantiert. Die fehlenden Plätze müssen geschaffen und langfristig finanziert werden. Außerdem soll es mehr Programme zur Prävention von häuslicher Gewalt geben, die Männer und Frauen gleichermaßen miteinbeziehen. Den vollständigen Petitionstext finden Sie hier.

UN Women für die Beendigung von Gewalt gegen Frauen

Die Beendigung und Prävention von Gewalt gegen Frauen ist ein zentraler Schwerpunkt in der weltweiten Arbeit zur Stärkung der Frauenrechte und der Gleichstellung der Geschlechter und eine moralische Verpflichtung. Genauere Infos zum Engagement von UN Women finden Sie im Factsheet.

UN Women ist außerdem Teil der "Spotlight Initiative to eliminate violence against women and girls": Die EU und die UN haben im Herbst 2017 diese globale, über mehrere Jahre angelegte Initiative ins Leben gerufen, die alle Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen ans Licht bringen, thematisieren und beenden soll.

Informationen über die Sensibilisierungskampagne #OrangeTheWorld finden Sie hier

Weitere Informationen finden Sie außerdem im aktuellen UN Women Bericht Progress of the worlds women zu Familien in einer sich verändernden Welt. 

Finanzierung

Der von UN Women verantwortete UN Trust Fund to End Violence against Women, der 1996 von der UN Generalversammlung beschlossen wurde, unterstützt lokale Organisationen in ihren Bemühungen, Frauen vor Gewalt zu schützen, sie über ihre Rechte aufzuklären und die Bildung und ökonomische Situation von Frauen zu verbessern, damit sie so den Teufelskreis von Abhängigkeit und Gewalt durchbrechen können.

Datenbanken

UN Women hat 2016 im Zusammenhang mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung die Datenbank  “Global Database on Violence against Women” neu eingeführt. Das Ziel der Datenbank ist u.a. der vereinfachte Zugang zu umfassenden und aktuellen Informationen zu Maßnahmen von Regierungen zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen und die Möglichkeit zum Austausch von Erfahrungen und best practices zur Problematik.
Die Datenbank "Inventory on United Nations Activities to End Violence against Women" gibt eine Übersicht über Maßnahmen zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen in allen UN Einheiten.

One Billion Rising verzeichnet alle Fälle von Tötungsdelikten und schweren Körperverletzungen gegen Frauen in Deutschland.

Logo Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

Sie benötigen Hilfe?

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, aber auch Menschen aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen und Fachkräfte.

Stand: April 2020