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Internationale Konferenz: "Planet 50:50 - Europas Beitrag zu den SDGs"

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Hier können Sie sich die Aufzeichnung des Live Streams erneut ansehen


Forderungen der Zivilgesellschaft

In vier Workshops haben Vertreter*innen der Zivilgesellschaft am 15.10.2020 im Rahmen der Konferenz „Planet 50:50 – Europas Beitrag zu den SDG’s“ die nachfolgenden Forderungen erarbeitet. Die Konferenz wurde von UN Women Deutschland in Kooperation mit EIGE ausgerichtet, unterstützt vom BMFSFJ und sie fand im Rahmen der deutschen EU- Ratspräsidentschaft statt.

Die Forderungen richten sich an die EU-Kommission, die Bundesregierung sowie das Europaparlament und den Deutschen Bundestag.

Die Zivilgesellschaft fordert die politisch Verantwortlichen auf, die Gleichstellung von Frauen und Männer in allen gesellschaftlichen Bereichen voranzubringen und bis zum Jahr 2030 vollständig zu realisieren. Hierbei kommen den folgenden Maßnahmen besondere Bedeutung zu:

1. Beseitigung struktureller Benachteiligungen, Veränderung von Rollenbildern, Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Erwerbs-Sorgemodell und die Aufwertung sog. systemrelevanten Berufe. Dazu gehören u.a. Änderungen im Steuer- und Sozialrecht (Ehegattensplitting, Mini-Job Regelung), Arbeitszeitmodelle zur Verwirklichung des Erwerbs-Sorgemodells, bessere Bezahlung im Gesundheitssektor, Einzelhandel, und bei den Sozialen Dienstleistungen, sowie die Förderung der fürsorgenden Männlichkeit.

2. Gesetzliche Regelungen zur Durchsetzung des Prinzips gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit. Dazu gehören u.a. die Verabschiedung der EU-Transparenz Richtlinie aber auch gesetzliche Regelungen zur Herstellung von Entgeltgleichheit sowie die Aufwertung der sog. Frauenberufe.

3. Umfassende ressortübergreifende Gleichstellungsstrategien auf allen Ebenen. Gleichstellungspolitik muss Querschnittsaufgabe werden. Hierfür müssen alle Ressorts auf EU-, Bundes- und Länderebene die Gleichstellung von Frauen und Männern in ihrem Politikbereich voranbringen.

4. Gleichstellungscheck für alle gesetzlichen Maßnahmen und für alle öffentlichen Ausgaben. Alle Maßnahmen und Ausgaben der öffentlichen Hand müssen sich positiv auf die Gleichstellung von Frauen und Männern auswirken. Insbesondere die Corona-Wiederaufbaupläne müssen geschlechtergerecht ausgestaltet werden.

5. Verpflichtendes Gender Budgeting und Gender Reporting. Geschlechtergerechte Haushaltspolitik und die ständige Überprüfung der Maßnahmen und des Standes der Gleichstellung sind Voraussetzung um die SDG’s bis 2030 zu verwirklichen.

6. Gesetzliche geschlechtergerechte Regulierung von Unternehmen zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht entlang ihrer Lieferketten. Das Lieferkettengesetz muss auch die Einhaltung von Frauenrechten zum Maßstab machen.

7. Paritätisch besetzte Entscheidungsgremien und Führungspositionen. In allen gesellschaftlichen Bereichen, wie Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft, dem öffentlichen Sektor, Kultur, Wohlfahrtsverbänden, Körperschaften des öffentlichen Rechts usw. sind Frauen hoffnungslos unterrepräsentiert. Die Verabschiedung der EU women on boards Richtlinie und die Erweiterung des Führungspositionengesetzes in Deutschland müssen endlich verabschiedet werden. Das Ziel Parität muss zügig umgesetzt werden.

8. Parität in den Parlamenten. Mit Paritätsgesetzen muss sichergestellt werden, dass die Hälfte der Bevölkerung auch zur Hälfte in den Parlamenten vertreten ist.

9. Ächtung von Gewalt an Frauen, Bekämpfung von Alltagssexismus, Rollenstereotype überwinden. Gewalt an Frauen ist kein Kavaliersdelikt und muss von allen geächtet und bekämpft werden. Dazu gehört auch die Bekämpfung von Alltagssexismus und die Überwindung von Rollenstereotypen. Dies gilt auch für den digitalen Bereich.

10. Istanbul Konvention bekannter machen und in Jurist*innenaus- und Fortbildung implementieren. Die Istanbul Konvention muss von allem EU Mitgliedsstaaten und der EU ratifiziert und angewandt werden. Mit der Ratifizierung ist die Istanbul Konvention unmittelbar geltendes Recht. Die Regelungen müssen sowohl in der Öffentlichkeit, bei allen politisch Handelnden und in der Jurist*innenaus- und Fortbildung bekannt gemacht werden, damit sie auch angewandt werden können.

11. Adäquate Finanzierung der Istanbul Konvention. Die mit der Ratifizierung der Istanbul Konvention verbundenen Verpflichtungen müssen adäquat finanziert werden. Das gilt insbesondere für die Bereitstellung eines bedarfsgerechten Hilfesystems sowie das Monitoring.

Laden Sie die Forderungen als pdf herunter.


Dokumentation zur Online-Konferenz zur europäischen Gleichstellungspolitik

Ein Techniker koordiniert die Schalte an verschiedenen Bildschirmen
Die Moderatoren im Gespräch mit Ministerin Franziska Giffey

Unter dem Titel "Planet 50:50 - Europas Beitrag zu den SDGS" kamen am 15. Oktober 2020 mehr als 2600 Personen zu Online-Diskussionen zum Status Quo der europäischen Gleichstellungspolitik zusammen. Untenstehend finden Sie noch einmal wichtige Inhalte und Ergebnisse der Konferenz.

Wir sind überwältigt von der positiven Resonanz auf die hochrangigen Beiträge, die uns erreicht haben. Vertreter*innen der Zivilgesellschaft diskutierten in vier Workshops mit uns zu Strategien und notwendigen Veränderungen in der europäischen Gleichstellungspolitik. Über 350 angemeldete Personen nahmen aktiv teil und weitere 2300 Personen folgten den Keynotes und Diskussionen über den Livestream. Trotz der Pandemie ist es uns gelungen, die Vertreter*innen der Generation Peking 1995 mit denen der Generation Peking+25 über Ländergrenzen hinweg zusammen zu bringen. Die Veranstaltung wurde gefördert durch unsere Partner das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie das European Institute for Gender Equality und fand im Rahmen der deutschen EU Ratspräsidentschaft statt.

Karin Nordmeyer ist während ihrer Rede auf einen großen Bildschirm zu sehen

Bereits während der Einführung von Karin Nordmeyer, Vorsitzende von UN Women Deutschland, wurde deutlich, dass kein gerechter Staat ohne die paritätische Einbindung von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen zu gestalten sei. Um die bestehenden Verpflichtungen und Maßnahmen umzusetzen, bedürfe es jedoch des deutlichen politischen Willens und einer stärkeren Rechenschaftspflicht der Regierungen.

In ihrer Keynote warf Carlien Scheele, Direktorin des European Institutes for Gender Equality, einen Blick zurück auf die Geschehnisse seit der Verabschiedung der Peking Erklärung. Ein Erfolg sei sichtbar, seit Beginn der 2010er Jahre sei jedoch auch eine zunehmende Skepsis gegenüber des Gender Mainstreamings wahrnehmbar.

Elisabeth Keuten steht am Redner*innenpult. Im Forderung sieht man verschwommen Kabel der Technik

Als Botschafterin der Beijing+25 Youth Task Force forderte auch Elisabeth Keuten in ihrer Keynote mehr Zeit zur Reflexion von strukturellen Herausforderungen für Gleichstellung auf (inter)nationaler Ebene. Gleichstellung müsse zudem intersektional gedacht werden.

Asa Regner ist auf dem Screen zu sehen, im Vordergrund sieht man einen Kameramann

In Ihrer Video-Botschaft aus New York forderte die stellvertretende Direktorin von UN Women, Åsa Regnér, deutlich mehr politische Entscheidungen, die dem Thema  Gleichstellung der Geschlechter höhere Sichtbarkeit verleihen. „Let us stop the pushback against women’s rights and gender equality“ forderte sie die Teinehmenden auf.

Die beiden Moderatoren stehen an ihren Pulten, zwischen Ihnen die Waage, die die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern symbolisiert.

Während der Konferenz tauchten die Forderungen der Rednerinnen auch visuell auf: Eine Waage, welche die Moderatoren und HeforShe-Botschafter Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer mit Ideen zur Gleichstellung bestückte, neigte sich im Verlauf der Veranstaltung dem Gleichgewicht entgegen. 

Prof. Christiane Funken steht am Redner*innenpult

Eingang in diesen Prozess fand auch der Vortrag von Prof. Dr. Christiane Funken. Anhand statistischer Kennzahlen machte die Soziologin darauf aufmerksam, wie sehr sich das Ungleichgewicht der Geschlechter während der Corona-Pandemie zementiert habe. Ihr Plädoyer: Sowohl im privaten als auch beruflichen Kontext benötige es ein neues Verständnis von Arbeit.

Zwei Teammitglieder sitzen sich gegenüber an ihren Laptops und koordinieren den Online-Workshop

Die Auswirkung der Corona-Pandemie auf die Gleichstellungspolitik wurde im Anschluss im gleichnamigen Workshop vertieft. Die weiteren Workshop-Themen waren „Closing the Gaps – ökonomische und soziale Perspektiven“, „Gewalt gegen Frauen bekämpfen“ und „Gleichstellungsstrategien auf allen Ebenen“.

Als hochrangigen Gast der Veranstaltung konnten wir auch Helena Dalli, Kommissarin für Gleichstellung der Europäischen Union (EU), gewinnen. In ihrer Keynote forderte Kommissarin Dalli die Ratifizierung der Istanbul-Konvention durch alle EU-Mitgliedsstaaten und die EU selbst sowie gesetzlich festgeschriebene Regelungen, um den Gender Pay Gap zu minimieren. Im Anschluss stellte sich Lesia Radelicki stellvertretend für Kommissarin Dalli den Fragen des Online-Publikums zur europäischen Gleichstellungspolitik.

Ministeri Giffey steht neben der Waage, auf die sie gerade ihren beitrag gelegt hat. Ihr gegenüber steht Moderator Vincent-Immanuel Herr

Bundesfrauenministerin Franziska Giffey berichtete über die aktuellen Vorhaben der Bundesregierung, wie die erste ressortübergreifende Gleichstellungsstrategie, und die Kampagne "Stärker als Gewalt" gegen Gewalt an Frauen. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft sei zudem eine Chance, die Stärkung der Rolle von Frauen auf dem Arbeitsmarkt voranzutreiben. Bundesministerin Giffey beantwortete im Anschluss die Fragen des Online-Publikums.

Während der Konferenz konnten die Teilnehmenden immer wieder über aktuelle Kennzahlen und Fragen abstimmen. Rund 100 Fragen und Anmerkungen gingen an die Gastrednerinnen und das Podium ein.

Prof. Christiane Funken, Daniela Behrens, Elisabeth Keuten und Ursula Schäfer-Preuss sitzen während der Diskussionsrunde auf der Bühne.

Um dem Planet 50:50 ein Stück näher zu kommen, endete die Veranstaltung schließlich mit der Präsentation der Workshop-Ergebnisse in einem moderierten Talk mit Vertreterinnen aller bereits genannten Organisationen.

Lassen Sie uns nicht vergessen: Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein Menschenrecht und muss auch in männlich normierten Gesellschaften gelten!


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Stand 22.10.20