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Muttertag 2021

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Feministischer Muttertag 2021

Der Muttertag ist in Deutschland seit 1923 bekannt, nachdem die Idee vom Verband Deutscher Floristen zur Profitsteigerung aus den USA importiert wurde. Der neue Muttertag war eng verknüpft mit der Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter und damit fest in traditionellen Geschlechterbildern verankert. Während der Hitler-Diktatur gewann der "Ehrentag der deutschen Mutter" an Bedeutung. Gemäß der völkischen Ideologie der Nationalsozialisten, war das Ziel, Frauen wieder verstärkt „an den Herd“ zu bringen und die Anzahl „deutscher“ Kinder zu erhöhen. Weitere Infos zur Geschichte des Muttertags könnt ihr in diesem Artikel nachlesen.

Noch heutzutage werden Mütter an jedem zweiten Sonntag im Mai mit Blumen, selbst Gebasteltem und Frühstück ans Bett „verwöhnt“, kurz vorher locken Angebote für Muttertagsgeschenke wie Staubsauger oder Bügeleisen. Der Großteil der Muttertags-Werbung und -Rhetorik reproduziert dabei immer noch das starre und traditionelle Bild der guten Hausfrau und Mutter.

Über Geschenke und freie Zeit freuen sich zwar die meisten Menschen, doch das wirkliche Problem der Eltern, und vor allem der Mütter, liegt in struktureller Benachteiligung, unter anderem auf dem Arbeitsmarkt. Kinder sind so für viele ein Armutsrisiko.

Wir wollen diesen Muttertag nutzen, um auf ein paar der vielfältigen Aspekte von Mutterschaft aufmerksam zu machen, den Finger in Wunden zu legen und feministische Forderungen zu formulieren. 

#Muttertagswunsch

Im Rahmen des Muttertags als feministischem Kampftag rufen wir Menschen auf, ihren #Muttertagswunsch für eine gerechte Gesellschaft einzufordern.  

Teile uns mit, was du dir dieses Jahr statt Blumen und Pralinen wünschst, für dich selbst oder die Eltern in deinem Umfeld. Schicke uns deinen Wunsch bis zum 5. Mai 2021 an ehrenamt(at)unwomen.de und sag uns, ob wir den Wunsch mit deinem Namen oder anonym veröffentlichen dürfen.

Oder poste deinen #Muttertagswunsch mit dem Hashtag selbst auf Social Media und nutze gerne diese Vorlage dafür. Vergiss nicht, uns dabei zu taggen!

Die Idee zum #Muttertagswunsch hatte die Bloggerin mutterseelesonnig bereits 2016 und seitdem äußern sich Menschen jedes Jahr unter diesem Hashtag zu den bestehenden strukturellen Ungerechtigkeiten. 

Berufsleben

Grafik: Katapult-Magazin

Frauen verdienen rund 18% weniger als Männer und arbeiten häufiger in Teilzeit, um Beruf und Familie vereinbaren zu können. Der Gender Pay Gap mündet in den Gender Pension Gap, der die auseinanderklaffenden Rentenansprüche von Frauen und Männern beschreibt.

Die sogenannte Motherhood Penalty (dt. „Mutterschafts-Strafe“) zeigt, wie stark die Gehälter von Frauen und Männern nach der Geburt des ersten Kindes auseinandergehen. Mütter gehen häufig keiner Erwerbstätigkeit nach, sind in Teilzeit oder prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt. Die Erwerbsbiografien von Frauen sind von vielen Unterbrechungen und Einschränkungen gekennzeichnet und unterscheiden sich damit deutlich von denen der Männer.   

Sind Mütter erwerbstätig, erleben sie vielfältige Diskriminierung – von Ausgrenzung und Versetzung bis hin zu Kündigungen. 

Vereinbarkeit ist ein Begriff, der das Problem von insbesondere Müttern beschreibt, Erwerbs- und Care-Arbeit unter einen Hut zu bringen. Andere zu vereinende Aspekte, die einen Menschen ausmachen (Hobbys, Freund*innenschaften, politisches Engagement, ...) werden dabei nicht berücksichtigt.

Einerseits stehen Frauen gesellschaftlich unter Druck, Kinder zu bekommen und dann Elternzeit zu nehmen und die Erwerbsarbeit zu reduzieren, denn „ein Kind braucht seine Mutter“. Andererseits wird die „nebenbei“ geleistete Care-Arbeit im Berufsalltag weder gewürdigt noch berücksichtigt. Insbesondere Mütter müssen diese Arbeit, ihre Kinder und all den damit verbundenen Organisationsaufwand bei Terminen im Job verstecken, um nicht als unprofessionell zu gelten. Selten wird die "nebenbei" geleistete Care-Arbeit etwa bei Terminabsprachen berücksichtigt. Vor allem in Zeiten von Home-Schooling und Kita-Schließungen stellt dies Frauen vor ein unlösbares Problem.

Die Initiative #proparents und die Zeitschriften Brigitte und Eltern machen mit der Kampagne "Gleiches Recht für Eltern" auf die Diskriminierung von Eltern im Berufsleben aufmerksam. In einem Special kommen Mütter und Väter zu Wort, die viele verschiedenen Facetten der Diskriminierung im Job erlebt haben. Mit einer Petition fordert das Bündnis, dass das Diskriminierungsmerkmal „Elternschaft“ in § 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) aufgenommen wird. 

Wir fordern Politik und Unternehmen auf, die Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass alle Elternteile gleichberechtigt Elternzeit nehmen und in Teilzeit arbeiten können. Ausreichende, kostenlose und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung ab dem Säuglingsalter sowie flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle tragen ebenso zu Geschlechtergerechtigkeit bei.

Care-Arbeit

Frauen leisten drei Mal mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Dieses Ungleichgewicht verstärkt sich, wenn kleine Kinder im Haushalt leben. Die Corona-Pandemie hat die Last unbezahlter Arbeit (u.a. durch zusätzliche Kinderbetreuung und Home-Schooling) insbesondere für Frauen weiter erhöht. Dadurch fehlt es Frauen an Zeit und Energie für Karriere, Erwerbsarbeit, gesellschaftliches Engagement oder Freizeit.

Eine wichtige Rolle spielt hier der sogenannte „Mental Load“, also die unsichtbare Verantwortung und mentale Belastung, die mit der Koordination eines Haushalts und einer Familie verbunden sind. Mit diesem Test kannst du herausfinden, wie der Mental Load in deiner Familie oder Partnerschaft verteilt ist.

Unsere diesbezüglichen Forderungen stehen im Equal Care Manifest, mehr Infos zum Thema gibt es bei unseren Partner*innen vom Equal Care Day

Schwangerschaft und Geburt

Schwangerschaft und Entbindung stellen besondere Risiken für die Gesundheit von Frauen dar. Jeden Tag sterben weltweit mindestens 830 Frauen an vermeidbaren Ursachen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt, insbesondere im globalen Süden.

Der §218 StGB, der Schwangerschaftsabbrüche als Straftat stigmatisiert, wird im Mai 150 Jahre alt. Immer weniger Ärzt*innen führen Schwangerschaftsabbrüche durch, wegen der strafgesetzlichen Regelung ist der Schwangerschaftsabbruch zu wenig Teil der gynäkologischen Fachärzt*innenausbildung. Ärzt*innen dürfen weiterhin auf ihren Websites nicht über Schwangerschaftsabbrüche informieren, weil der §219a StGB dies verbietet. Mehr Infos beim Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung.

Trotz steigender Geburtenraten sinkt die Zahl an Hebammen und Kreißsälen in vielen Teilen Deutschlands, mit teils verheerenden psychischen und physischen Auswirkungen auf Schwangere, Gebärende und Menschen im Wochenbett. Die praktizierenden Hebammen sind häufig einer enormen Arbeitsbelastung ausgesetzt. Um die Geburtshilfe zu verbessern fordern Vereine wie Motherhood e.V. bessere Arbeitsbedingungen für Hebammen, ein besseres Gehalt und mehr Anerkennung.

Nicht zuletzt sind Gebärende immer wieder Gewalt in der Geburtshilfe ausgesetzt. Die Initiative Roses Revolution macht auf dieses Tabu aufmerksam und setzt sich dagegen ein.  

Alleinerziehende

Jede fünfte Familie in Deutschland ist eine Ein-Eltern-Familie. In neun von zehn Fällen ist die Mutter alleinerziehend. Alleinerziehende brechen mit den traditionellen Familienmodellen und stehen unter enormer Belastung. Sie werden steuerlich benachteiligt und im Berufsleben diskriminiert, und sind einem höheren Risiko von Altersarmut ausgesetzt. Etwa ein Drittel der Alleinerziehenden ist von Armut bedroht. Ein Grund dafür ist auch, dass ein großer Teil der unterhaltspflichtigen Ex-Partner keinen Unterhalt zahlt und institutionelle Mechanismen häufig dabei versagen, dies zu verhindern und zu kompensieren.  

Abstammungsrecht

Bis heute sieht das deutsche Abstammungsrecht vor, dass die Person, die ein Kind zur Welt bringt, „Mutter“ ist und als zweites Elternteil nur ein „Vater“ in Betracht kommt. Das stellt viele "Regenbogenfamilien" oder Familien mit nicht-binärem oder trans Elternteil vor große Hürden und Diskriminierung. Ist zum Beispiel der zweite Elternteil eine Frau, muss sie das Kind aufwändig und kostspielig als "Stiefkind" adoptieren. Eine Vaterschaft hingegen kann ohne bürokratischen Aufwand anerkannt werden, unabhängig von der biologischen Elternschaft. .

Der Fall der Familie Akkermann wurde mit der Kampagne #PaulaHatZweiMamas sehr bekannt und liegt jetzt dem Bundesverfassungsgericht vor.

Politik

Dass die Interessen von Familien auf politischer Ebene häufig zu kurz kommen, zeigt sich beispielsweise im Umgang mit der Corona-Pandemie. Und da Mütter die Hauptlast der pandemiebedingten zusätzlichen Care-Arbeit leisten, haben sie noch weniger Zeit politisch aktiv zu sein oder sich am öffentlichen Diskurs zu beteiligen. Eltern und vor allem Mütter und ihre Bedürfnisse werden unsichtbar. Unter dem Hashtag #CoronaEltern berichten viele Familien über ihre Überforderung und das Gefühl, von der Politik allein gelassen zu werden.

Die Initiative #elfmillionenstimmen richtet sich direkt an politische Entscheider*innen und fordert, dass die Belange von Familien in politischen Überlegungen berücksichtigt werden. Hier könnt ihr Briefe an eure Bundestags- und Landtagsabgeordnete oder Ministerpräsident*innen schreiben und einfordern, dass Beschlüsse und Gesetze im Vorhinein darauf geprüft werden, Familien und Kinder nicht zu benachteiligen und ausreichend zu beachten.

Angela Merkel wird häufig ihre Kinderlosigkeit vorgeworfen und trotzdem als „Mutti“ betitelt. Die dringendste Frage an die Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock scheint hingegen die nach der Vereinbarkeit von Familie und politischem Amt zu sein. Dabei sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass alle Mütter die Berufe und Ämter ausüben können, die sie möchten.

Marija Latković hat auf Instagram den Spieß umgedreht und fragt Politiker nach Vereinbarkeit, Familienplanung und Beauty-Geheimnissen. 

Häusliche Gewalt

In Deutschland wurden 2019 117 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Mehr als 1x pro Stunde verletzt ein Mann statistisch gesehen seine Partnerin gefährlich. Die Dunkelziffer ist weitaus höher: Nach sogenannten Dunkelfeldstudien ist jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von physischer Gewalt betroffen.

Nach den Empfehlungen der Istanbul-Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt fehlen in Deutschland 14.600 Plätze in Frauenhäusern. Jede zweite Frau, die einen Platz sucht, muss abgewiesen werden. Häusliche Gewalt bringt insbesondere Frauen mit Kindern in eine verletzliche Situation, in der sie die Unterstützung in Frauenhäuser benötigen.

UN Women Deutschland fordert in der Petition gegen häusliche Gewalt ein Bundesgesetz, dass Frauen das Recht auf Schutz vor Gewalt und einen Platz im Frauenhaus garantiert.

Feministische Erziehung

Viele Kinderbücher und die Spielzeugindustrie verbreiten weiter Geschlechterklischees und treiben Gender-Marketing voran, Neugeborene werden häufig mit Püppchen oder Baggern beschenkt und bereits während der Schwangerschaft wird in sog. „Gender Reveal Parties“ das Geschlecht des Kindes aufwendig in rosa oder blau zelebriert. Dabei haben weder Farben, noch Spielsachen, noch Charaktereigenschaften ein Geschlecht. Kindern sollte es freigestellt sein, was und mit wem sie spielen, wie sie die Welt erkunden und welche Interessen und Eigenschaften sie entwickeln. Feministische Erziehung will ein Leben ohne Rosa-Hellblau-Falle und ohne Geschlechterrollen ermöglichen. 

Empfehlenswerte Social Media Accounts zu den Themen Mutterschaft und Familie

Mareice Kaiser auf Instagram und auf Twitter 
Teresa Bücker auf Instagram und auf Twitter
Patricia Cammarata auf Instagram und auf Twitter
Christine Finke auf Instagram und auf Twitter
Alexandra Zykunov auf Instagram
Falk Becker auf Instagram und Twitter
Equal Care Day auf Instagram und auf Twitter
Kaiserinnenreich auf Instagram und auf ihrem Blog
Alicia Schlender – Who cares? Blog und auf Instagram

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