UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V. | Für die Rechte von Frauen

Kontakt

un mail form
Datenschutzhinweise*

Vorstellung des Berichts „Progress of the World´s Women 2015-2016: Transforming Economies, Realizing Rights“ in sieben Städten der Erde

  • Facebook
  • Twitter
  • Instagram

Vorstellung des Berichts „Progress of the World´s Women 2015-2016: Transforming Economies, Realizing Rights“ in sieben Städten der Erde

London, 27. April 2015. Ein bedeutender Bericht von UN Women wurde heute in sieben Städten erstmalig präsentiert. Er vereint Menschenrechte und Wirtschaftspolitik, ruft zu weitreichenden Veränderungen der weltpolitischen Agenda auf, um Ökonomien zu reformieren und die Durchsetzung der Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter zu verwirklichen. Der Bericht veranschaulicht detailliert, wie Marktwirtschaften aussehen würden, die für Frauen und zum Wohle aller Menschen gemacht sind.

Der Bericht beschreibt eine alternative Wirtschaftsagenda, die nicht nur für faire Ökonomien sorgen, sondern auch neue Beschäftigungsmöglichkeiten, u.a. im Pflegesektor, schaffen wird. 

Der Bericht wird anlässlich des Gipfels der internationalen Gemeinschaft für die Gestaltung der neuen Agenda, den „Sustainable Development Goals“, veröffentlicht. Exakt 20 Jahre nach der bedeutenden 4. Weltfrauenkonferenz in Peking, die damals eine ambitionierte Agenda aufgestellt hat, um das Ziel der Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen. 

Seit der Konferenz in Peking haben viele Gesellschaften der Welt bedeutende Fortschritte gemacht, besonders im Bereich der Frauenrechte. Trotzdem sind in einer Zeit des, wie der Bericht zeigt, beispiellosen globalen Wohlstands, Millionen von Frauen gezwungen ohne Qualifikation im Niedriglohnsektor zu arbeiten, ohne Anspruch auf Gesundheitsversorgung und ohne Zugang zu sauberem Wasser oder sanitären Anlagen. 

Weltweit betrachtet, sind nur 50% aller Frauen erwerbstätig. Drei Viertel aller Männer sind es im Vergleich weltweit.  In Entwicklungsländern arbeiten bis zu 95% aller Frauen im informellen Sektor ohne arbeitsrechtlichen Schutz und ohne jegliche soziale Sicherheit. 

Frauen sind meist noch immer verantwortlich für die Pflege und Versorgung ihrer Angehörigen und tragen dafür die wirtschaftlichen Konsequenzen. Diese wurden durch die Sparpolitik der Länder weiter verschärft. Zur Gestaltung von fairen und nachhaltigen Gesellschaften, die Frauen und Männern gerecht werden, kann die Fortführung der aktuellen Politik nicht wirksam greifen. 

„Unsere öffentlichen Ressourcen fließen nicht dorthin, wo sie am nötigsten gebraucht werden: zum Beispiel in die Bereitstellung sicherer Trinkwasserversorgung und Kanalisation, hochwertiger Gesundheitsversorgung und angemessener Betreuung für die Kinder und Senioren unserer Gesellschaft. Dort wo es an öffentlicher Versorgung mangelt, werden die Defizite von Frauen und Mädchen ausgeglichen,“ sagt UN Women Executive Director Phumzile Mlambo-Ngcuka. 

„Dies ist eine Verletzung der Sorgfaltspflicht, die Milliarden Frauen auf der ganzen Welt ungerechterweise dafür bestraft, dass sie eintreten, wenn der Staat keine Versorgung bereitstellt.  Wir brauchen eine Politik, die es Männern und Frauen ermöglicht sich um die Menschen zu kümmern, die sie lieben, ohne deswegen auf ihre eigene finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit zu verzichten.“ fügt sie hinzu. 

Anhand gründlicher Analyse der umfassenden Daten formuliert der evidenzbasierte Bericht zehn wegweisende Empfehlungen für Maßnahmen, die von Staatsregierungen und Partnern umgesetzt werden können, um eine Wirtschaft aufzubauen, die Frauen ehrlich dient und zum Wohle aller Menschen ist. 

Der Bericht zeigt die Vision einer globalen Wirtschaft, die für Frauen geeignet ist, in der sie den gleichen Zugang zu produktiven Ressourcen und sozialer Sicherung haben, welche ihnen ein ausreichendes Einkommen bietet, um ihnen einen adäquaten Lebensstandard zu ermöglichen. In einer solchen Wirtschaft würde die Arbeit von Frauen respektiert und wertgeschätzt. Stereotype über mögliche und angemessene Arbeit für Frauen und Männer wären aus der Welt geräumt und Frauen wären in der Lage frei von Gewalt und sexueller Belästigung zu arbeiten und zu leben. 

Die Wirklichkeit aber, sieht anders aus. 

Der Bericht stellt dar, dass Frauen im weltweiten Durschnitt 24% weniger verdienen als Männer. Die Einkommenslücke von Frauen mit Kindern ist noch größer: In Südasien zum Beispiel beträgt die Einkommenslücke für Mütter 35% (verglichen mit einer Lücke von 14% für Frauen ohne Kinder). Geringere Beteiligung am Erwerbsleben, bestehende Einkommensungleichheit und weniger Zugang zur Rentenversicherung kommen für Frauen zur Strafe für Pflege- und Betreuungszeiten hinzu. In Frankreich und Schweden können Frauen davon ausgehen in ihrem Leben 31% weniger zu verdienen als Männer; in Deutschland sind es 49%; und in der Türkei kann eine Durchschnitts-Frau damit rechnen in ihrem Leben 75% weniger zu verdienen als ein Durschnitts-Mann. 

Frauen arbeiten häufig in einer kleinen Gruppe gesellschaftlich nicht anerkannter Berufe. Zum Beispiel sind 83% aller Hausangestellten weltweit Frauen. Fast die Hälfte von ihnen erhält ein Einkommen, das unter dem Niveau des Mindestlohns liegt. Selbst wenn Frauen Erfolg im Beruf haben, stoßen sie auf Widerstände, mit denen sich ihre männlichen Kollegen in der Regel nicht konfrontiert sehen. Zum Beispiel haben in der EU 75% der Frauen in Managementpositionen oder höher und 61% der Frauen, die im Dienstleistungssektor arbeiten mindestens einmal im Leben sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt. 

Eine Wirtschaft, die nach den Bedürfnissen von Frauen gestaltet wird, gibt ihnen in Entscheidungsprozessen ein gleichwertiges Stimmrecht: über die Verteilung der Zeit und des Geldes im Haushalt, über die Art und Weise wie die Ressourcen beschafft und auf nationaler Ebene verteilt werden, bis hin zu Entscheidungen über die Aufstellung breiterer Wirtschaftsparameter im globalen Sektor. 

Frauen sind in wirtschaftlichen Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert, in Gewerkschaften, korporativen Vorständen, Finanzministerien und internationalen Finanzinstituten. Der Anteil von Frauen in Gewerkschaften steigt in einigen Ländern, sie gelangen jedoch selten in Führungspositionen. Im Jahr 2014 waren in den Vorständen der sechs einflussreichsten globalen Wirtschaftseinrichtungen zwischen 4 und 20% Frauen vertreten. 

Anhand Fallstudien und konkreten Beispielen  von Bolivien bis Botswana fordert der Bericht einen Paradigmenwandel in der Art und Weise wie Regierungen, Finanzinstitute, Unternehmen und Zivilgesellschaften, Wirtschaftspolitik und Menschenrechte beurteilen, damit eine alternative Wirtschaftsagenda etabliert werden kann, die Frauen und ihre Rechte in den Mittelpunkt stellt. 

„Die neue Wirtschaftsagenda, für die sich UN Women einsetzt, ist kein unerreichbarer Wunschtraum. Viele Länder, auch wirtschaftlich schwache Entwicklungsländer, setzen bereits Teile der Agenda um“ sagt Shahra Razavi, Leiterin der UN Women`s Research and Data Section und Hauptautorin des Berichts. „Wir benötigen weitgreifende Veränderungen, aber sie sind machbar.“

Der Bericht zeigt mit seinen Empfehlungen deutlich, dass es mit der richtigen Kombination aus Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierungen möglich ist, angemessene Arbeitsplätze für Frauen (und Männer) zu generieren und sicherzustellen, dass die unbezahlte Pflege- und Betreuungsarbeit, auf denen sich alle Ökonomien aufbauen, anerkannt und unterstützt wird. Gut geplante Sozialsysteme (Gesundheit und Pflege) und Maßnahmen der sozialen Sicherung (Renten) können die Einkommenssicherheit von Frauen, von der Geburt bis ins hohe Alter, erhöhen, ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten erweitern und ihre Chancen im Leben verbessern. 

Die gesamtwirtschaftliche Politik kann und soll die Umsetzung der Frauenrechte durch die Schaffung einer dynamischen und stabilen Wirtschaft, durch die Generierung angemessener Arbeit und durch die Bereitstellung finanzieller Ressourcen für die zentralen öffentlichen Dienstleistungen, fördern. Regierungen müssen über die alten Maßeinheiten des BIP-Wachstums und der niedrigen Inflation hinausdenken und stattdessen ihren Erfolg anhand der Umsetzung der Menschenrechte messen. 

Die wirtschaftlichen und sozialen Rechte von Frauen – das Recht auf einen angemessenen Arbeitsplatz, auf Gesundheitsversorgung und ein Leben ohne Gewalt und Diskriminierung – werden ihnen von Menschenrechtsverträgen garantiert, die durch fast alle Länder der Erde unterzeichnet wurden. Die Regierungen dieser Länder sind dafür verantwortlich diese Rechte zu garantieren, aber sie können es nicht alleine tun. Internationale Finanzinstitutionen und der private Sektor sind mitverantwortlich für die Gestaltung der Wirtschaft. Sie alle müssen Verantwortung übernehmen und gegenüber der Öffentlichkeit und der Zivilgesellschaft rechenschaftspflichtig bleiben. 

Die im Bericht empfohlenen Veränderungen werden die Wirtschaft nicht nur den Bedürfnissen von Frauen anpassen, sondern auch für den Großteil der Männer von Nutzen sein, die von der derzeitigen Wirtschaftspolitik ebenfalls benachteiligt sind. Der Bericht vertritt die Ansicht, dass der Fortschritt der Frauen ein Fortschritt für alle ist. 

Den vollständigen Bericht können Sie hier aufrufen

Die englische Pressemitteilung finden Sie auf der Webseite von UN Women

  • 118