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16 Tage zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen 2020

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Orange the World: Fund, Respond, Prevent, Collect!

Im Zuge der Corona-Pandemie zeichnet sich weltweit ein Anstieg häuslicher Gewalt ab. Die Pandemie der Gewalt gegen Frauen ist jedoch nicht neu. Schon vorder COVID-19-Pandemie litten im vergangenen Jahr weltweit 243 Millionen Frauen und Mädchen unter Partnerschaftsgewalt. Ängste, akute finanzielle Nöte und Unsicherheiten begünstigen das Stress- und Gewaltpotenzial in Haushalten, wenn Familien dauerhaft auf engstem Raum eingesperrt sind. Die Leidtragenden sind in den meisten Fällen Frauen und Kinder. Sich Hilfe zu holen oder aus der Situation zu retten, ist noch schwieriger als zuvor. Da in vielen Ländern Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen im Zuge der Quarantäne-Maßnahmen erlassen wurden, können Frauen das Haus nur eingeschränkt verlassen. So haben sie kaum Möglichkeiten, sich an Freund*innen oder Verwandte zu wenden oder Zuflucht in Frauenhäusern zu suchen und sind gezwungen, bei ihren gewalttätigen Partnern zu bleiben. Damit sind sie einer doppelten Gefahr ausgesetzt. Verstärkt wird dies auch durch die erhöhte ökonomische Abhängigkeit aufgrund von plötzlicher Arbeitslosigkeit, von der Frauen auch stärker betroffen sind.

Auch wenn partnerschaftliche Gewalt wohl die am stärksten verbreitete Form geschlechtsspezifischer Gewalt ist, erfahren Frauen und Mädchen auch in anderen Kontexten Gewalt - während bewaffneter Konflikte sowie in Friedenszeiten, innerhalb der Familie, der Community, in der Gesellschaft und mit den immer schneller wachsenden Technologien auch im Internet. Aktuellste Daten zeigen: Weniger als 40% von Frauen weltweit, die von Gewalt betroffen sind, suchen sich Hilfe. Von diesen 40% wenden sich wiederum nur 10% an die Polizei, Familie und Freund*innen fungieren in der Regel als Ansprechpartner*innen. Das bedeutet nur 4% aller betroffenen Frauen bitten die Polizei um Hilfe.

Der Kampf für die Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen muss weitergehen - vor allem während der Pandemie

Die Corona-Pandemie hat die ohnehin schon akute Krise geschlechtsbasierter Gewalt noch weiter verstärkt und insbesondere junge Mädchen sind enorm gefährdet. Zwangsverheiratungen und FGM/C können nun nahezu unbemerkt stattfinden, denn regelmäßige Besuche bei Ärzt*innen fallen weg und die Schule sowie Freizeitinstitutionen als Kontrollinstanzen ebenso. Verschlimmert wird dies durch den eingeschränkten Zugang zu sozialen Hilfs- und Beratungsangeboten, wodurch von Gewalt betroffene Mädchen kaum Möglichkeiten haben, Unterstützung zu finden.

Die Corona-Pandemie ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Die desaströsen Auswirkungen der Pandemie auf die Rechte von Frauen und Mädchen sind bereits deutlich sichtbar. Gerade jetzt muss die Umsetzung der Istanbul Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt und anderer Internationaler Vereinbarungen wie die UN Resolution gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C) ganz oben auf die politische Agenda, um zu verhindern, dass die fragilen Errungenschaften für Geschlechtergleichstellung der vergangenen Jahrzehnte zu Nichte gemacht werden.

Bereits zu Beginn der Pandemie appellierte UN-Generalsekretär Guterres an die Staatengemeinschaft, die Prävention und Beseitigung geschlechtsbasierter Gewalt zu einem elementaren Bestandteil nationaler Pandemie-Pläne zu machen. Diesem Appell sind weltweit nur 48 Länder umfassend gefolgt, indem sie Notfalldienste und Beratungsstellen für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen in ihre nationalen Corona-Nothilfe-Pläne integriert haben. Doch auch von diesen Ländern haben nicht alle die adäquate Finanzierung dieser Maßnahmen sichergestellt.

Im Jahr 2020 steht die vom UN-Generalsekretär António Guterres geführte UNiTE-Kampagne vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie unter dem Motto “Orange the World: Fund, Respond, Prevent, Collect!" (Finanzieren, Reagieren, Vorbeugen, Erfassen). Sie richtet sich an Regierungen, die Zivilgesellschaft, Frauenrechtsorganisationen, junge Menschen, den Privatsektor, die Medien sowie an das gesamte UN System, gemeinsam die globale Pandemie der Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu bekämpfen - die Pandemie, die nahezu unsichtbar bleibt.


Färb die Welt orange – 16 Tage voller Aktionen, um Gewalt gegen Frauen zu beenden

Orange the World, Cambodia (2015)

Gewalt gegen Frauen und Mädchen kann jede treffen – unabhängig von Alter, sozialem oder kulturellem Hintergrund. Die "16 days of Activism against Gender-Based Violence" generieren vom 25. November, dem Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen, bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, weltweit Aufmerksamkeit. Schon 1991 wurde die Kampagne vom Women's Global Leadership Institute initiiert. Sie ist seit 2008 Teil der "UNiTE to End Violence against Women" Kampagne Orange the World des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, die von UN Women durchgeführt wird.

Machen Sie mit!

Auch Sie können von zu Hause aus ein Zeichen setzen: Tragen Sie Orange (z.B. unser Charity Armband gegen Gewalt an Frauen). Teilen Sie Fotos, Nachrichten und Videos. Mit den Hashtags #Orangetheworld, #GenerationEquality und #16Days können Sie unter Ihren Beiträgen auf die Kampagne aufmerksam machen. Für Sticker und Gifs bei Instagram, Facebook oder Messenger-Diensten suchen Sie nach #OrangeTheWorld. Ab dem 25.11. wird es bei Instagram auch einen OrangeTheWorld-Filter für Ihre Stories geben.

Planen Sie selbst eine Aktion während der 16 Days oder wissen von einer Aktion in Ihrer Umgebung?
Kontaktieren Sie uns gerne für weiteres Material unter info[at]unwomen.de und senden Sie uns Bilder oder taggen Sie uns auf Instagram, Twitter oder Facebook. Wir freuen uns über Ihr Engagement!

In diesem Flickr Album von UN Women erhalten Sie einen Einblick, wie die Aktionstage in den vergangenen Jahren gestaltet wurden.

Sie möchten wissen, wie Sie sich konkret gegen Gewalt an Frauen und Mädchen einsetzen können? Hier gibt es zehn Tipps.


Warum sind Spenden so wichtig?

Gewalt gegen Frauen können wir nicht alleine beenden. Wir brauchen Menschen, die sich engagieren und uns helfen, unsere wichtige Arbeit fortzuführen. Wir benötigen dringend eine ausreichende Finanzierung aller Maßnahmen zur Beseitigung der Gewalt an Frauen und Mädchen in- und außerhalb Deutschlands. Dafür benötigen wir Ihre Unterstützung.

Dieser eindrucksvolle Bericht gibt einen Einblick, wie UN Women während der Pandemie den Kampf gegen Gewalt gegen Frauen in europäischen sowie zentralasiatischen Ländern unterstützt.

Lesen Sie hier, was Frauen zu sagen haben, die aktiv vor Ort den Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt führen - vom Kosovo, über Kenya, bis Vietnam. 

Gemeinsam mit AVON gegen häusliche Gewalt

Anfang November ist unsere Kampagne gegen häusliche Gewalt gestartet. Unterstützt durch Avon Cosmetics machen wir auf diese Missstände aufmerksam. Es kann nicht sein, dass häusliche Gewalt weiterhin Tabuthema bleibt, stigmatisiert wird und jetzt auch noch steigt. Wir sagen: Es reicht! Deshalb gehen wir das Thema häusliche Gewalt von drei Seiten an: Wir stellen Forderungen an die Politiker*innen, holen Männer ins Boot und sammeln Spenden, um Frauen weltweit Schutz zu bieten. Durch ein Video versuchen wir diese Anliegen in Reichweite zu bringen:

Die Situation in Deutschland ist alarmierend. Dies zeigte erneut die am 10. November veröffentlichte kriminalstatistische Auswertung partnerschaftlicher Gewalt für 2019. Vergangenes Jahr waren insgesamt 114.903 Frauen in Deutschland von partnerschaftlicher Gewalt betroffen. 117 Frauen wurden durch einen Partner oder Expartner getötet - fast an jedem dritten Tag eine Frau. Für 2020 rechnet man aufgrund der Corona-Pandemie mit einem Anstieg dieser Zahlen.

Sie sind selbst betroffen oder kennen jemanden, der oder die Hilfe benötigt?

Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Unter der Nummer 08000 116 016 und via Online-Beratung unter www.hilfetelefon.de werden Betroffene aller Nationalitäten kostenlos unterstützt, mit und ohne Behinderung - 365 Tage im Jahr, in 17 Sprachen, rund um die Uhr. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte werden anonym und kostenfrei beraten.

Stand: November 2020