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Holger Vogel: Bonner Unternehmer engagiert sich für #HeForShe

Holger Vogel, Unternehmer aus Bonn, ist neuster Unterstützer der weltweiten Solidaritätskampagne #HeForShe. Lesen Sie hier das Interview mit ihm zu seinem Engagement. 

Was hat Sie ganz persönlich dazu bewegt, sich für die #HeForShe Kampagne stark zu machen?
Als Veranstalter der women&work erlebe ich nahezu tagtäglich, dass Frauen immer wieder die Chance genommen wird, sich gleichberechtigt in den Unternehmenswelten zu entfalten. Auch gesetzeswidrige Diskriminierungen sind nach wie vor an der Tagesordnung. Die Charta der Vereinten Nationen ist für mich das wichtigste Dokument gesellschaftlichen Zusammenlebens und Grundlage meines ethischen und unternehmerischen Handelns. Ich finde es selbstverständlich, dass Frauen und Männer gleichberechtigt in allen beruflichen und privaten Lebensbelangen agieren. Es gibt viel zu wenige Männer, die sichtbar für neue Rollenbilder, Familienmodelle und genderfaires Wirtschaften werben. Die Umsetzung der Gleichberechtigung ist auch Männersache. Deswegen unterstütze ich #HeForShe.

Integrieren Sie die Stärkung von Frauen in Ihre Arbeit? Warum ist Ihnen das wichtig?
Wir haben das Format der women&work ins Leben gerufen, um eine sichtbare Plattform zu schaffen, Frauen den Rücken zu stärken und um die Vernetzung von Frauen untereinander aber auch mit den Unternehmen zu initiieren. Durch die ganzjährigen kostenfreien Webinarangebote fördern wir zusätzlich das Empowerment von Frauen. Das ist mir bzw. uns als Team sehr wichtig, weil Frauen sehr häufig das Insiderwissen fehlt hinsichtlich der Aufstiegskompetenzen oder förderlicher Netzwerke. Dadurch geraten sie oft in strategische Wettbewerbsnachteile, die sich negativ auf ihre Karriere auswirken können.

Welche gesellschaftlichen Veränderungen sind Ihrer Meinung nach notwendig, damit die Gleichstellung der Geschlechter im Bereich von Führungspositionen erreicht werden kann?
Wir brauchen ein modernisiertes Arbeitsrecht, das den individuellen Ansprüchen der Frauen und Männer im 21. Jahrhundert Rechnung trägt. Die starren Strukturen der auf dem Industriezeitalter basierenden Rahmenbedingungen müssen den flexiblen Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 angepasst werden. Zusätzlich sollte für eine gesellschaftliche Offenheit in Bezug auf neue Rollenbilder, buntere Familien- und individuelle Lebensarbeitszeitmodelle geworben wer. Neue und andere Wege im Berufs- und Privatleben sollten nicht stigmatisiert, sondern akzeptiert und begrüßt werden. Unsere Gesellschaft braucht gerade in dieser Hinsicht mehr Flexibilität und Toleranz.

Welche grundsätzlichen Veränderungen sind Ihrer Meinung nach notwendig, damit die Arbeitswelt bzw. Unternehmen für weibliche Fachkräfte attraktiv und dadurch zukunftsfähig wird?
In dem Moment, wo Frauen sich und ihre weiblichen Stärken gleichwertig und gleichberechtigt in Entscheidungs- und Arbeitsprozesse einbringen können, werden Arbeitswelt und Unternehmen für sie attraktiv. Wir können das sogar in Zahlen messen, denn vor zwei Jahren haben wir eine bundesweite Studie durchgeführt: „top4women – Wünsche und Anforderungen von Frauen an potenzielle Arbeitgeber“. 2.997 Frauen aus Deutschland haben teilgenommen. Für 98,6 % war das „diskriminierungsfreie Betriebsklima“ die wichtigste Anforderung, sehr dicht gefolgt von der „kollegialen Zusammenarbeit“ (97,8 %) und dem Faktor „Anerkennung“ (95,7 %).

Was wir also brauchen ist endlich ein Mindset-Change in Corporate Germany, denn wir schaden unserer Zukunftsfähigkeit – und das meine ich nicht nur auf wirtschaftlicher, sondern auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene – wenn wir 50 Prozent der Bevölkerung weiterhin konsequent aus Entscheidungsgremien ausklammern und nicht die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Frauen ihr Potenzial ungehindert einbringen und entfalten können.

Studien zeigen zum Beispiel, dass 80 Prozent aller Kaufentscheidungen von Frauen getroffen werden. Wenn Unternehmen Frauen nicht gleichwertig in allen Unternehmensbereichen und Hierarchien berücksichtigen, ignorieren sie schlicht einen wesentlichen Teil ihrer potenziellen Käufergruppe. Aber auch in Innovationsprozessen wirken sich einseitige Sichtweisen negativ auf Produkt- und Dienstleistungsentwicklungen aus. Der weiße Mann Mitte 50 hat nun einmal völlig andere Erfahrungs- und Wertehaltungen als eine junge Frau Anfang 20. Es gibt genügend – wirtschaftliche – Gründe, die für Gender Diversity sprechen. Wir sollten endlich anfangen, diesen Gründen Taten folgen zu lassen!

Sie sind auch im Bereich der Hochschulen tätig. Inwiefern sollte hier angesetzt werden, um die Stärkung von Frauen voranzutreiben?
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es gerade bei jungen Frauen wichtig ist, sich sehr frühzeitig um eine ganzheitliche Karriereplanung Gedanken zu machen. Wir erleben immer noch zu oft, dass junge Frauen mit Kinderwunsch nur bis zum ersten Kind planen und mögliche Optionen des Wiedereinstiegs völlig ausklammern. Mit der Gefahr übrigens, im Alter in die Altersarmut zu rutschen, denn je länger der Ausstieg erfolgt, umso negativer wirkt sich das auf das spätere Gehalt und mögliche Rentenansprüche aus. Das sorgt leider für sehr frühe Abhängigkeiten und für eine mentale und tatsächliche Unfreiheit, die Frauen nicht selten daran hindert, vorhandene Chancen beherzt wahrzunehmen.

women&work am 4. Juni in Bonn
Die women&work findet am 4. Juni von 10:00 – 17:30 Uhr im World Conference Center Bonn, Platz der Vereinten Nationen 2 in 53113 Bonn statt. Ob Studentin, Absolventin, erfahrene Fachfrau, Wiedereinsteigerin, Führungskraft oder einfach nur ambitioniert – auf der women&work treffen Besucherinnen auf über 100 Top-Arbeitgeber, die nach weiblicher Verstärkung Ausschau halten. Eine Anmeldung für vorterminierte Vier-Augen-Gespräche ist noch bis zum 30. Mai möglich. Kongress-Schwerpunkt der women&work 2016 ist das Thema „www – women world wide“. Mit über 40 Vorträgen und PechaKucha-Präsentationen, Podiumsdiskussionen und Karriere-Talks sowie knapp 100 zusätzlichen Ausstellern in der Karriere- und Leadership-Lounge bietet der Kongress Impulse, Anregungen und eine effektive Plattform, um mit Experten zu netzwerken. Neu in diesem Jahr sind das Weiterbildungs- und das Franchise-Forum – ebenso wie „die Grüne Job-Insel“, bei der sich alles um nachhaltige Jobs dreht. Der Messe-Besuch ist kostenfrei! Weitere Infos gibt es unter www.womenandwork.de

women&work
4. Juni 2016
10:00-17:30 Uhr
World Conference Center Bonn
Platz der Vereinten Nationen 2
53113 Bonn
www.womenandwork.de

Stand Mai 2016