Kontakt

un mail form

Ein #HeForShe unterstützt Frauen auf Ihrem Weg in die Chefetagen

Christian Ehl - Personalberater, Business Coach und #HeForShe

Christian Ehl

Frauen in Führungspositionen sind dank der Frauenquote ein aktuelles Thema. Unser neuer #HeForShe hat langjährige Erfahrungen als Personalberater und Business Coach und unterstützt Frauen auf Ihrem Weg in die Chefetagen. Er weiß wie wichtig es für Unternehmen ist, ihre Firmenpolitik in Richtung Vielfalt und Akzeptanz zu öffnen und zu verändern. 

Wie kamen Sie dazu Trainingsprogramme für weibliche Führungskräfte anzubieten? 

Das Thema Frauen in Führungspositionen beschäftigt mich bereits seit meiner Diplomarbeit, die den Titel „The Employment of Female Specialists and Managers during and after Pregnancy“ trug. Dem folgte die Begleitung von Frauen auf Karrierepfaden in meiner Arbeit als Personalberater sowie die noch intensivere Arbeit im Rahmen von Einzelcoachings. Vor diesem Hintergrund lag es nahe, im Rahmen meiner Zusammenarbeit mit LMI, auch deren bereits entwickeltes, sehr gutes Programm zu nutzen und mein Leistungsportfolio für Frauen damit zu erweitern. Ich schätze in der Arbeit mit Frauen ihre Fähigkeit und ihren Willen zur Selbstreflexion. Denn insbesondere persönliche Weiterentwicklung kann ohne diese nicht stattfinden.

Was können Frauen in Ihrem Programm lernen?

Zunächst einmal lernen sie sich selbst besser kennen. Denn die aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Person ist der erste Schritt, auf den alle weiteren folgen. Wir erarbeiten Antworten auf Fragen wie die folgenden: Wo stehe ich heute? Wieso stehe ich da wo ich stehe? Wo will ich wirklich hin? Bin ich bereit, das dafür erforderliche zu tun? Und wie konkret erreiche ich meine Ziele? Außerdem arbeiten wir am Selbstbild, der Selbstmotivation, der Überzeugungskraft sowie dem aktiven Führen von Mitarbeitern.

Das Ergebnis ist ein souveränerer Umgang mit sich und anderen sowie eine deutliche Weiterentwicklung der Selbstführungs- sowie der Mitarbeiterführungskompetenz.

Welche Vorteile haben Ihrer Meinung nach Unternehmen, die ihre Teams und Führungspositionen gemischt besetzen?

Das wirtschaftliche Umfeld ist für viele Unternehmen über die letzten Jahre und Jahrzehnte zunehmend komplexer geworden. Das was gestern passend war, kann heute völlig überholt sein. Eingefahrene Denk- und Verhaltensweisen beeinflussen den wirtschaftlichen Erfolg meist negativ. Das Einbringen unterschiedlicher Stärken ist also nicht nur hilfreich, sondern mittel- bis langfristig gesehen erfolgskritisch. Das zeigen nicht nur wissenschaftliche Forschungsergebnisse, sondern auch Beispiele aus dem Sport. Hier kommen unterschiedliche Kompetenzprofile von Mitarbeitern und Führungskräften ins Spiel. Das Geschlecht ist dabei einer von mehreren Einflussfaktoren. 

Kurz gesagt: Vielfalt führt zu Kreativität, unterschiedlichen Sichtweisen, damit zu Anpassungsfähigkeit und letztlich zu wirtschaftlichem Erfolg. Außerdem erhöht ein Unternehmen mit einer entsprechenden Diversity-Kultur seine Attraktivität als Arbeitgeber, was ebenfalls ein erfolgskritischer Faktor ist.

Was denken Sie, muss sich innerhalb von Unternehmen verändern, damit Frauen beruflich erfolgreicher sein können?

Im Wesentlichen eine rationalere Vorgehensweise in der Besetzung von Positionen. Entscheidend ist zu betrachten, wer die erforderlichen Kompetenzen besitzt um in der entsprechenden Rolle erfolgreich zu sein. Persönlichkeitsbezogene Merkmale, wie das Geschlecht, sollten bei der Entscheidung irrelevant sein. Feste Arbeitszeiten und -orte sowie ein althergebrachtes Vorgehen um ein Ergebnis zu erzielen sind ebenfalls kein Erfolgsgarant. 

Daneben wäre es sehr hilfreich, die männliche Überlegenheitsvermutung sowie antiquiertes Rollendenken, beides ist nach wie vor in Teilen der männlichen Führungsriege vorherrschend,  innerhalb der Unternehmen sowie übergreifend in der Gesellschaft abzuschaffen. Es gilt, Akzeptanz von Unterschiedlichkeit zu erreichen. Dafür helfen Aufklärung, positive Referenzbeispiele und hartnäckiges Dranbleiben, auch der Frauen mit Karrierewunsch selbst. Der weibliche Weg, stehend für Empathie, Verständnis, Mitgefühl und menschliches Wachstum, hat seine Berechtigung, auch und gerade in einer Führungsrolle.

Männlichen und weiblichen Führungskräften, die diesen Leitgedanken folgen und Frauen in ihrer Entwicklung unterstützen, sollte aufmerksam in Ihrem Wirken zugeschaut werden und sie sollten Wertschätzung und Unterstützung bei ihren Bemühungen erfahren.

Welche gesellschaftlichen Veränderungen sind Ihrer Meinung nach notwendig, damit die Gleichstellung im Bereich von Führungspositionen erreicht werden kann?

Es beginnt für mich damit zu akzeptieren, dass wir alle unterschiedlich sind und unterschiedlich sozialisiert werden. Sowohl von Geschlecht zu Geschlecht, als auch von Familie, Region und Land zueinander. Das führt zur Ausprägung unterschiedlicher Persönlichkeitseigenschaften und Verhaltensweisen, die mehr oder weniger hilfreich für eine effektive Führungsrolle sind. 

Ein weiterer Aspekt ist die Wertschätzung der Mutter- und Vaterrolle. Diese Rolle ist nicht nur ein Ausfall eines Mitarbeiters für eine begrenzte Zeit, sondern auch ein wesentlicher und natürlicher Bestandteil des menschlichen Lebens. Außerdem hat diese Erfahrung bei vielen auch einen positiven Einfluss auf ihr Führungsverhalten.

Daneben ist die Kinderbetreuungssituation nach wie vor ein großes Thema. Zum einen für die „betroffenen“, arbeitenden Eltern sowie für die Kinder. Wenn die Haupterziehungsrolle nicht von den eigenen Eltern durchgeführt wird, werden Verhaltensweisen vom Umfeld und den Betreuern gelernt und beeinflusst. In der Kindheit werden bereits die Anlagen für effektives und zielführendes Führungs-, Kommunikations- und Konfliktverhalten als Erwachsener gelegt, oder eben auch nicht. Dieses Umstands sollten wir uns alle bewusst sein.

Und zu guter Letzt noch eine weitere Facette: wem wir als Geführte folgen und warum wir dies tun, sollten wir gelegentlich alle hinterfragen. Denn diese Entscheidungsfreiheit hat jeder. Vielleicht wäre es ratsam aus Sicht der Gesellschaft den oft vor Selbstbewusstsein strotzenden Cholerikern, Macht-, Geld und Statushungrigen die kalte Schulter zu zeigen und dafür lieber mehr Eigenverantwortung an den Tag zu legen und denen zu folgen, die Ihre Führungsrolle, oft auch mit Bescheidenheit und Demut, verantwortungsbewusst leben.

Stand April 2015