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Ein #HeForShe kämpft im Herzen von Frankfurt für die Stärkung der Frauen

Interview mit Oliver Dreber, Geschäftsführer von Hara Do - Institut für Kampf und Kommunikation

Worin liegt genau Ihr Aufgabenbereich? 
Hara Do ist japanisch und bedeutet „Der Weg zur Mitte“. Das Institut für Kampf und Kommunikation, das Einzige dieser Art in Deutschland, ist ein besonderer Erfahrungsraum für die Kommunikation und das Erleben von Teams & Gruppen durch das Medium Kampf(kunst).
Als Veranstalter bieten wir Teambuildings, Workshops und Key-Notes, in deren Zentrum das körperliche Erleben von Kommunikation steht. Wir glauben, menschliches Lernen und Entwickeln ist auf der personalen Ebene greifbarer und auch wirksamer, wenn Inhalte körperlich erfahrbar gemacht werden. Einer Verbalattacke kann man so z. B. nur standhalten, wenn man über Stand und Haltung verfügt. Beides lässt sich eben körperlich eindrucksvoll erfahren.
Heute äußert sich Kampf z. B. im Geschlechter-, Abstiegs-, Konkurrenzkampf oder im Kampf gegen den inneren Schweinehund. Nähert man sich diesem Phänomen ganzheitlich, entdeckt man, dass Kampf als Auseinandersetzung mit Jemanden im Außen oder im Innen eine der unmittelbarsten Arten der Kommunikation ist. Nonverbal. Wenn wir also raus aus dem Kopf und rein in den Körper kommen, können wir uns, den Anderen und die Kommunikation neu erleben.
Das ist das Wesen von Hara Do.

Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, dass Frauen ein deutliches ´Nein´sagen können und worin liegt für Sie der Unterschied zwischen ´sich selbst behaupten´ und ´sich durchsetzen´?
Häufiger NEIN und an der richtigen Stelle JA sagen zu können, ist zunächst mal geschlechterunspezifisch eine der Grundlagen für einen zufriedenen oder sogar glücklichen Berufsweg. Frauen haben leider oft das Problem, dass sie aufgrund ihrer Sozialisierung es weniger gelernt haben, für sich einzustehen, sich selbst zu behaupten. Aber was ist Selbstbehauptung eigentlich? Selbstbehauptung meint im Kern die Entdeckung und Wahrung des eigenen Selbst in einer sich stets wandelnden Umwelt und nicht ein „sich durchsetzen“ im Sinne der Konkurrenzgesellschaft (Ellebogenmentalität). Selbstbehauptung berührt damit drei zentrale, menschliche Aspekte:
1.)          Wer bin Ich & Was will Ich?
2.)          In welcher Situation / Umwelt befinde ich mich?
3.)          Wie wahre ich, wer ich bin & was ich will?
Ich denke, dass wir uns mit der ersten Frage Alle schwertun. Allerdings werden Männer in jungen Jahren eher in Situationen geführt, in denen sie sich zu behaupten haben, um dem familiären, erzieherischem Kontext und Anspruch gerecht zu werden. Diese Fähigkeit verfeinern viele dann noch im Laufe ihres Berufslebens.  Frauen tun sich, da sie dies in den Kindertagen weniger „geübt“ haben, einfach schwerer damit.

Bedeutet für Sie Selbstbehauptung, die Konfrontation zu suchen oder einen Konflikt zu vermeiden? 
Zunächst mal ist nicht alles, was wir in unserem Berufsleben als Konflikt wahrnehmen auch ein solcher. Aus meiner Sicht wird dieser Begriff viel zu inflationär verwendet. Denn Konflikt (lat. confligere, „zusammentreffen, kämpfen“) bezeichnet die Situation zwischen Personen, Organisationen oder Staaten in der die jeweiligen Interessen, Ziele oder Werte unvereinbar sind oder als solche erscheinen. Deswegen können echte Konflikte auch zu persönlichen Fehden, körperlichen Auseinandersetzungen, Kämpfen oder Kriegen führen. Vor diesem Hintergrund sollte man gerade im beruflichen Umfeld eher von einem Disput reden, da in diesem sog. Streitgespräch die jeweilige Gegenseite von den eigenen Argumenten zu überzeugen versucht wird.
Das Tückische an einem Konflikt ist, dass in den meisten Fällen die Inhalts- oder Sachebene verlassen wurde - solange ist man ja noch in einem Disput -  und nur noch Positionen ausgetauscht werden. Bei den dann sich „verhärtenden Fronten“ werden die Dinge sehr oft sehr persönlich genommen. Wer es so weit kommen lässt, jede Frotzelei des Kollegen oder Vorgesetzten gleich als persönlichen Angriff wertet, tappt direkt in die Konfliktfalle. Denn wer sich angegriffen fühlt, bei dem springt automatisch, wie im gesamtem Tierreich auch, das limbische System an. In diesem sehr alten Teil unseres Gehirns geht es um die Verteidigung des eigenen Lebens oder anders formuliert, um das Überleben im Sinne des „struggle for life“. Das limbische System wird in diesem Moment zu unserem Autopiloten und übernimmt die Kontrolle über unser bewusstes Verhalten. Dieser Autopilot kennt nur drei Richtungen: „Zurück – Starre – Vor“ oder auch „flight – freeze – fight“. Keine dieser Autopilotrichtungen ist für die Wahrung des Selbst und für die Lösung eines potentiellen Konfliktes zielführend. Wohin diese Richtungen nicht nur in beruflicher Kommunikation führen, mag sich ein Jeder selbst vorstellen können. Zur Selbstbehauptung sicherlich nicht!

Sie sind Experte für Kampf & Kommunikation. Wie ist es möglich, einen verbalen Angriff nicht emotional und damit persönlich aufzunehmen?
Ich empfehle Ihnen einen körperlichen Trick, um den Autopiloten zu unterbrechen und wieder selbst an´s Steuer zukommen. Dabei machen Sie sich den Umstand zunutze, dass jeder Konflikt Energie erzeugt, sozusagen Reibungsenergie zwischen den Parteien. Kein Streit, keine Diskussion, kein Disput und auch kein Konflikt kann auf Entfernung ausgetragen werden. Die Kontrahenten stehen sich meist auf ein bis zwei Armeslängen Abstand gegenüber. Im Konflikt gibt dann ein Wort das andere – fight. Laufen stattdessen die Tränen, sind wir auf der Flucht und wenn wir wie festgenagelt auf der Stelle kleben, – freeze – bleibt uns die Antwort im Halse stecken. In jedem Fall wird es in Uns emotional sehr hitzig. Der Trick besteht in zwei Schritten darin, 1.) sich bewusst zu werden, dass man das Steuer an den Autopiloten übergeben hat und 2.) dass die Hitze nur verpuffen kann, wenn es hierzu mehr Raum gibt. Mehr Raum geben, ist dabei wörtlich zu verstehen. TRETEN SIE EINEN oder gleich mehrere SCHRITTE ZURÜCK! Schaffen Sie Abstand zu der Person, von der Sie sich angegriffen fühlen. Die neue, größere Distanz senkt nicht nur augenblicklich das Energieniveau zwischen Ihnen, sondern ermöglicht zugleich ein physikalisches Paradigma. RAUM IST ZEIT. Wenn Sie einen simplen Schritt zurücktreten, treten Sie körperlich aus der Konfliktfalle heraus und gewinnen Zeit. Zeit mit der nicht nur Ihr Selbstbewusstsein zurückkehrt, sondern auch Ihr Verstand. Genug Verstand, um die Situation (Umwelt) neu zu bewerten und eine bewusste Entscheidung für eine angemessene Reaktion zu treffen. Probieren Sie es mal aus! Das limbische System für immer auf „Stand By“ zu setzen, erfordert ein lebenslanges Üben. Sich dagegen dessen in dem jeweiligen Moment gewahr zu werden, hat „nur“ etwas mit Achtsamkeit und der Pflege seines Selbst zu tun.

Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen Frauen und Männern, sich durchsetzen zu können? 
Die Unterschiede liegen aus meiner Sicht männlicherseits ganz klar in der habituellen Prägung in der Kindheit, in der anderen, tendenziell klareren Auffassung von Umwelt (Berufswelt) in der interagiert wird und auch in der zielgerichteterten Wahrung der eigenen Interessen (Wer bin ich & Was will ich).  

Mehr Informationen zum Workshop finden Sie hier

Stand März 2017

Oliver Dreber (rechts im Bild) mit dem Co-Trainer Mike Palmer (links) und der Teilnehmerin Anita Varga beim "Wehr Dich!"-Workshop