Kontakt

un mail form

Beendigung der Gewalt gegen Frauen

Weltweite Gewalt gegen Frauen

Photo: UN Trust Fund to End Violence against Women/Phil Borges

Gewalt gegen Frauen ist eine extreme Menschenrechtsverletzung, die Frauen in allen Ländern und Kulturen erleben. In einigen Regionen erleiden bis zu sieben von zehn Frauen Gewalt. Die Formen dieser Gewalt sind vielfältig. Sie reichen von subtileren Formen wie Demütigungen, Beleidigungen und Einschüchterungen zu Schlägen, sexuellen Übergriffen, Vergewaltigungen, Zwangsheiraten, dem Zwang zu Sterilisation und Abtreibung, Säureattacken, Genitalverstümmelung, Massenvergewaltigungen und Frauenhandel. Auch digitale Gewalt weitet sich immer mehr aus. Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat weitreichende Konsequenzen, sie schadet nicht nur den Frauen selbst, auch ihre Familien und die Gesellschaft sind davon betroffen.

Erfahren Sie auch mehr zu der Thematik in diesem deutschsprachigen FactSheet von UN Women

Die Situation in Deutschland

Einer Studie des BMFSFJ aus dem Jahr 2004 zufolge jede vierte Frau während ihres Lebens Gewalt in ihrer Paarbeziehung erfahren. 

Eine Studie des BKA aus dem Jahr 2016 zeigt ebenfalls erschreckende Zahlen: In 2015 wurden in Deutschland Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt: 
- von vorsätzlicher einfacher Körperverletzung: über 65.800
- von Bedrohung: über 16.200
- von gefährlicher Körperverletzung: über 11.400
- von Stalking: über 7.900
- Vergewaltigung und sexuelle Nötigung: 2.410
- von Mord und Totschlag: 331, davon 130 vollendete Fälle  
Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung in Partnerschaften sind die Opfer zu fast 100% weiblich, bei Stalking und Bedrohung in der Partnerschaft sind es fast 90%. Bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung sowie bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen sind es 80%.
Hierbei handelt es sich um sogenannte Hellfeldzahlen, die Dunkelziffer liegt bei vielen Delikten vermutlich um ein vielfaches höher.
Informationen zu der in der BKA-Studie nicht behandelten digitalen Gewalt gegen Frauen finden Sie z.B. bei bff.  

Aktuell

Das BKA hat neue Zahlen zu Partnerschaftsgewalt im Jahr 2016 herausgebracht, die Zahlen sind weiter gestiegen: Anzahl der Frauen, die Opfer von Partnerschaftsgewalt (versuchte und vollendete Delikte) wurden:

•           von vorsätzlicher einfacher Körperverletzung: über 69.700
•           von Bedrohung: über 16.700
•           von gefährlicher Körperverletzung: rund 11.900
•           von Stalking: über 7.600
•           von Mord und Totschlag: 357, vermutlich sind 146 der Opfer von ihrem Partner getötet worden. Zudem gab es 6 Fälle von Körperverletzung mit Todesfolge.
Die Studie finden Sie hier

Bundesfrauenministerin Dr. Katarina Barley erklärte dazu: „Die Zahlen sind erschreckend – insbesondere mit Blick auf die vermutete Dunkelziffer. Die ansteigenden Zahlen der bekannt gewordenen Delikte sind aber auch ein Zeichen dafür, dass mehr Opfer Hilfe bei der Polizei suchen und erlittene Gewalttaten zur Anzeige bringen. Eine solche Entwicklung wird auch durch den veränderten gesellschaftlichen Umgang mit sexuellen Übergriffen und Diskriminierung, wie etwa aktuell durch die metoo-Debatte, befördert. Einen wichtigen Beitrag hat hier auch die Verankerung des Grundsatzes „Nein heißt Nein“ im Strafrecht geleistet.“

Forderungen UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V.

  1. Keine Toleranz gegenüber jeder Form von Gewalt gegen Frauen, sei sie strukturell, sexuell, physisch oder psychisch.
  2. Konsequenzen für die Täter: Bestehende Strafen und Sanktionen müssen konsequent und vollständig Anwendung finden.
  3. Psychologische Unterstützung für die Betroffenen: Es müssen ausreichend Angebote und Anlaufstellen mit Ärzt*innen, Sozialarbeiter*innen und Berater*innen eingerichtet werden.
  4. Finanzierung einer ausreichenden Zahl von Plätzen in barrierefreien und bedarfsgerechten Frauenhäusern 
  5. Verpflichtende Schulungen zu sexueller Belästigung und Mobbing sowie Sensibilisierung allgegenwärtiger und bestehender patriarchaler Strukturen für die Justiz und alle diejenigen, die sich in Macht- und Führungspositionen befinden.
  6. Schulungs- und Informationsangebote für Mitarbeiter*innen, um sexuelle Belästigung zu erkennen und ihre Rechte zu kennen.
  7. Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen zu den Formen sexualisierter Gewalt


Alle Maßnahmen müssen ausreichend finanziert werden sowie die speziellen Bedürfnisse besonders vulnerabler Gruppen einbezogen werden.
Ausführlichere Forderungen finden Sie im CEDAW-Alternativbericht, an dessen Erstellung das Deutsche Komitee beteiligt war.

UN Women für die Beendigung von Gewalt gegen Frauen

Die Beendigung und Prävention von Gewalt gegen Frauen ist ein zentraler Schwerpunkt in der weltweiten Arbeit zur Stärkung der Frauenrechte und der Gleichstellung der Geschlechter und eine moralische Verpflichtung.
Informationen über die Bemühungen von UN Women im Bereich der Prävention finden Sie z.B. in "A framework to underpin action to prevent violence against women" (2015). 

UN Women und die Say No UNiTE - To end Violence against women-Kampagne rufen seit November 2012 die Regierungen der Weltgemeinschaft zu konkreten Verpflichtungen zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen auf. Die COMMIT-Kampagne zielt darauf, dass die Regierungen sich zu konkreten Maßnahmen wie der Verbesserung von Gesetzen oder der Durchführung von Aufklärungskampagnen bekennen.
Deutschland trat „COMMIT“ im November 2012 bei und verpflichtete sich darüber hinaus zur Ratifizierung des "Übereinkommen(s) des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt" (12.10.2017, in Kraft ab 1.2.2018) sowie zu einer Verbesserung der Datenlage in Bezug auf geschlechtsspezifische Gewalt (etwa durch eine jährliche Sonderauswertung der polizeilichen Kriminalstatistik zu häuslicher Gewalt durch das BKA).

Der von UN Women verantwortete UN Trust Fund to End Violence against Women, der 1996 von der UN Generalversammlung beschlossen wurde, unterstützt lokale Organisationen in ihren Bemühungen, Frauen vor Gewalt zu schützen, sie über ihre Rechte aufzuklären und die Bildung und ökonomische Situation von Frauen zu verbessern, damit sie so den Teufelskreis von Abhängigkeit und Gewalt durchbrechen können.

Informationen über die Sensibilisierungskampagne #OrangeTheWorld finden Sie hier. 

Datenbank: "Global Database on Violence against Women"

Im Dezember 2006 nahm die Generalversammlung eine umfassende Resolution für die Intensivierung der Maßnahmen zur Beseitigung aller Formen der Gewalt an Frauen an. Der Generalsekretär wurde gebeten, eine koordinierte Datenbank zu gründen, in welcher der Umfang, die Arten und die Konsequenzen jeder Form von Gewalt an Frauen aufgenommen werden und die Wirkung von Regelungen und Programmen zur Beseitigung dieser Gewalt aufgeführt werden.
Die Datenbank “UN Secretary-General’s database on violence against women” wurde 2009 entwickelt. UN Women hat 2016 im Zusammenhang mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung die Datenbank umgestaltet und mit dem Namen “Global Database on Violence against Women” neu eingeführt.
Das Ziel der Datenbank ist u.a. der vereinfachte Zugang zu umfassenden und aktuellen Informationen zu Maßnahmen von Regierungen zur Beendigung der Gewalt an Frauen und Mädchen und die Möglichkeit zum Austausch von Erfahrungen und best practices zur Problematik.

Helfen Sie mit Ihrer Spende, die Gewalt gegen Frauen zu beenden!

Stand: September 2017