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Viel zu feiern: 25 Jahre Deutsches Komitee für UNIFEM / UN Women & Auszeichnung einer FGE Initiative

25 Jahre jung? 25 Jahre alt? 25 Jahre Deutsches Komitee für UNIFEM/UN Women

Das Deutsche Komitee für UNIFEM heute UN Women Nationales Komitee Deutschland feierte am 1. Dezember 2016 gemeinsam mit etwa 100 Gästen ihr 25-jähriges Jubiläum. Die Höhepunkte eines Vierteljahrhunderts ehrenamtlicher Arbeit wurden präsentiert und gemeinsam mit der Familien-Stiftung Apfelbaum eine Initiative des UN Women Fund for Gender Equality (FGE) ausgezeichnet, die sich mit der wirtschaftlichen Stärkung von Frauen in fragilen Staaten beschäftigt. Der mit inzwischen 10 000€ dotierte Preis wurde bereits zum 16. Mal vergeben – an dieser Stelle unseren herzlichsten Dank an Herrn Dr. Schmidt, den Vorsitzenden der Stiftung Apfelbaum und erklärten „UNIFEMINIST“! Mehr über seine Motivation, diesen Preis zu vergeben, weitere Hintergrundinformationen zu den Gründerinnen und der Arbeit des Deutschen Komitees finden Sie in der Jubiläumsschrift, die an diesem Abend verteilt wurde und zum Download zur Verfügung steht.

Photo: Kornelia Danetzki

Die Begrüßung erfolgte durch Angelica Maria Kappel, der Bürgermeisterin der Stadt Bonn, Mitausrichterin der Festveranstaltung. Die Stadt Bonn feiert in diesem Jahr 20 Jahre Vereinte Nationen in Bonn – herzlichen Glückwunsch!

Frau Kappel betonte, dass die Stadt Bonn die Arbeit des Deutschen Komitees nicht nur seit vielen Jahren begleite und unterstütze, sondern dies auch weiterhin tun werde. Die Stadt Bonn sei, wie auch das Deutsche Komitee, eins der Gründungsmitglieder des Netzwerks „Gender@International Bonn“ – und der Oberbürgermeister ist ein HeForShe. Frau Kappel sprach Frau Nordmeyer, dem Vorstand, allen Mitarbeitenden und Unterstützenden Anerkennung und Dank aus, da sie alle gemeinsam mit Ausdauer, Überzeugungskraft und Beharrlichkeit wichtige Türen zur Geschlechtergerechtigkeit geöffnet hätten.

Einen Rückblick auf die letzten 25 Jahre wagten Karin Nordmeyer, Vorsitzende des Deutschen Komitees für UN Women sowie Anneliese Müller, Gründungsmitglied und ehemalige Vorsitzende des Deutschen Komitees für UNIFEM. 

Frau Nordmeyer schilderte den langen Weg von der Arbeit am privaten Wohnzimmertisch bis zum ersten professionellen Büroraum im Winter 2005 - erstmalig waren Mittel dafür da. Die Finanzierung der Arbeit des Komitees sei ein Hauptproblem gewesen und fast alle Arbeit bis Anfang 2012 vom Vorstand und von Praktikantinnen ehrenamtlich erledigt worden. Frau Nordmeyer erinnerte, wie die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Juli 2010 die Gründung von UN Women beschlossen habe. Das bereits seit zwanzig Jahren arbeitende Deutsche Komitee für UNIFEM sei umbenannt und zugleich mit einem neuen Mandat versehen worden. Zeitgleich sei die Vereinssatzung geändert worden, so dass auch Männer Mitglieder des Vereins werden konnten, ganz im Sinne des Paradigmenwechsels in der Gleichstellungspolitik der Vereinten Nationen – #HeForShe. Im Rahmen einer Projektförderung des Frauenministeriums habe das Deutsche Komitee dann im März 2012 drei hauptamtliche Mitarbeiterinnen einstellen können. Ihre Arbeit würde vom Vorstand ergänzt - vor allem durch Lobbyarbeit mit den Akteur*innen in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. 

Frau Müller berichtete davon, wie im Juni 1988 Margaret Snyder, die Direktorin des UN Development Fund for Women (UNIFEM) nach Bonn bekommen sei und von ihrer Arbeit berichtet habe. UNIFEM sei in Folge der 1. Weltfrauenkonferenz 1975 in Mexico gegründet worden und habe dringend Unterstützung bei der Finanzierung ihrer Arbeit gebraucht, da die Regierungen nur freiwillige Beiträge zahlten. Mehr Informationen über den steinigen Weg von der Entscheidung zur Gründung eines Deutschen Komitees Ende 1988 und der tatsächlichen Gründung drei Jahre später durch die Mitstreiter*innen finden Sie im Beitrag Frau Müllers in der Jubiläumsschrift. Sie erzählt darin auch von dem nicht immer einfachen Umgang mit dem Thema Spendensammeln und dem Fokus auf Lobby- und Bildungsarbeit in der ersten Zeit. Bloße Finanzierung sei in den ersten Jahren das große Problem gewesen und nur durch vielerlei projektgebundene Förderung durch das BMZ, Stiftungen, Wirtschaft und Privatpersonen erreicht worden.

Den Festvortrag hielt Eva Welskop-Deffaa, Ministerialdirektorin a.D. und ver.di-Bundesvorstand. Sie erinnerte an die Rede von Eleanor Roosevelt im Jahr 1946, in der sie die Regierungen aufgefordert habe, Frauen Teilhabe zu ermöglichen und die Frauen, diese Teilhabe wahrzunehmen. Sie erzählte von der Gründungsintention von UNIFEM, Gelder für Frauenprojekte im Globalen Süden einzuwerben und wie sich mit der Gründung von UN Women der Fokus um politische Arbeit mit den Regierungen erweitert habe. Sie ging auch auf die aktuelle Situation flüchtender und geflüchteter Frauen ein, die zu oft in den Reaktionen und Maßnahmen der Regierungen nicht mitgedacht werde. Es sei eine wichtige Aufgabe von UN Women, dem UNHCR hier zur Seite zu stehen. Sie stellte die Zwischenergebnisse einer Studie vor, einer Befragung von über 2000 Geflüchteten in Deutschland. Abschließend sagte sie in Anlehnung an Carolin Emcke, dass wir lachenden Mut, die Bereitschaft den Blickwinkel zu ändern und Haltung brauchen, um weiterzukommen und wünschte uns allen genau das.

Im zweiten Teil wurde die „Initiative zur Gleichstellung der Geschlechter in fragilen Staaten“ ausgezeichnet. Die Leiterin des Fund for Gender Equality, Elisa Fernandez, berichtete von der Arbeit des FGE und der ausgezeichneten Initiative. 

Der Fund for Gender Equality ist der einzige Fund der Vereinten Nationen, der gezielt für die politische und wirtschaftliche Förderung und Stärkung von Frauen verwendet wird. Er unterstützt und finanziert Initiativen frauengeführter Organisationen, die durch ihre Arbeit konkrete Erfolge bei der Unterstützung von benachteiligten Frauen erzielen. Seit der Gründung 2009 hat der Fund insgesamt 64 Millionen US Dollar an 120 Programme in 80 Ländern ausgezahlt und 10 Millionen direkt Begünstigte erreicht.

Im Jahr 2015 wurde zudem eine Wissensinitiative gestartet, um gute Praktiken zur Stärkung der wirtschaftlichen Handlungskompetenz und des Durchsetzungsvermögens von Frauen in fragilen Umfeldern herauszuarbeiten. Diese Studie, für die über 1.200 Frauen aus vier geförderten Projekten (zwei im Libanon, je eins in Guinea und Sudan) befragt wurden, finden Sie hier zum Download. Eins der Ergebnisse war, dass die meisten Frauen großes Interesse an Fortbildungen und formeller Arbeit hätten, jedoch bereits 80 Stunden pro Woche mit unbezahlter Arbeit wie Wasserholen und Holzsammeln, Saubermachen und Kochen, Kinder- und Altenpflege verbrächten. Dies limitiere die Zeit, Ressourcen und Energie, die die Frauen für bezahlte Arbeit übrighätten und müsse bei Maßnahmen etwa von Regierungen bedacht werden. 

Photo: Kornelia Danetzki

Besagte vier Projekte wurden an diesem Abend mit dem Preis der Stiftung Apfelbaum ausgezeichnet. Frau Fernandez stellte eins davon genauer vor: Amel, eine libanesische Frauenkooperative, in der einheimische und geflüchtete Frauen gemeinsam arbeiteten und Entscheidungen träfen. In Trainings seien ihre unternehmerischen Kompetenzen und Führungsqualitäten gestärkt worden, die Arbeit führe zu einer verbesserten Integration in die Gesellschaft und zu nachhaltiger finanzieller Unabhängigkeit. Der FGE hat einen schönen Kurzfilm über dieses Projekt gedreht.

In ihrem Ausblick erwähnte Karin Nordmeyer, dass das Deutsche Komitee die Zivilgesellschaft auch weiterhin über die strategisch-normative und die Programm-Arbeit von UN Women informieren und dabei eng mit Ministerien, Parlamentarier*innen und den vielfältigen zivilgesellschaftlichen Gruppen zusammenarbeiten werde. Sie erinnerte an die Worte der Parlamentarischen Staatssekretärin Caren Marx: „Das Nationale Komitee von UN Women ist ein strategischer Partner des Bundesfrauen-ministeriums und eine wichtige Schnittstelle zwischen nationaler und internationaler Politik.“ Gemeinsam mit ihren Partner*innen wolle das Deutsche Komitee eine Welt gestalten, in der Frauen und Männer   ein gleichberechtigtes Leben führen können - ein „Planet 50:50 bis 2030“.

Großartig moderiert wurde der Abend von Conny Czymoch. Herzlichen Dank ihr und den ehrenamtlichen Helferinnen! Und natürlich auch an Astatine und Sobo, die die Gäste mit zwei wunderschönen Jazz-Nummern unterhielten. 

Fotos von der Festveranstaltung finden Sie hier.

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